Nachruf Eeva und Adalbert Huber-Huber
Eeva-Elisheva Huber-Huber, Vorstandsmitglied der ÖIG und Adalbert Huber-Huber sind tot.
Von Traude Litzka
Am 25. April 2008 haben wir Abschied von Eeva-Elisheva Huber-Huber und ihrem Gatten Adalbert Huber-Huber genommen. Sie sind am 18. April bei einem Autounfall in Rumänien ums Leben gekommen.
Wie schon seit Jahren, waren sie wieder zu einer jüdischen Gemeinde unterwegs, um Hilfsgüter abzugeben und diesmal auch, um mit Freunden Pessach zu feiern.
In Siebenbürgen, in der Nähe von Turda, geschah dann das Schreckliche. Ein entgegenkommender PKW, der durch ein Überholmanöver auf die Gegenfahrbahn geraten war, rammte frontal ihren Kleinbus. Es blieben ihnen keine Überlebenschancen, beide konnten nur noch tot geborgen werden, ein mitfahrender Journalist wurde schwer verletzt.
Mit dem Ehepaar Huber-Huber verliert die Welt zwei außergewöhnliche Menschen!
Gemeinsam führten sie einen jahrzehntelangen Kampf, um die Not der Juden, besonders in Rumänien, zu lindern und um ihnen effektiv zu helfen.
Eeva, die in Finnland in einem Pastorenhaus aufwuchs, lernte schon früh von ihren Eltern das Wenige, das sie hatten, mit Ärmeren zu teilen. Vor allem aber prägte sie deren Umgang mit dem jüdischen Volk, denn, wie sie später in einem Lebensrückblick selbst schrieb: “…es wurde mit Achtung und Würde über das jüdische Volk gesprochen.”
Nach ihrer Matura, arbeitete Eeva in Helsinki als Journalistin, schrieb Musikkritiken und arbeitete auch kurz in der Schweiz in einem Kinderheim. Durch ihren Gatten, den sie in Deutschland kennen lernte, übersiedelte sie nach Wien und begann hier schon bald die Arbeit, die sie über 28 Jahre fortführen sollte: Sie stellte sich ganz in den Dienst Not leidender Juden. Schon früher, Anfang der 80er Jahre, hatte sie Juden in der Sowjetunion, die damals noch nicht ausreisen durften und in größter Armut lebten, mit Lebensmittel, Geld und Sachspenden unterstützt.
Im Jahr 1986 gründete sie in Wien mit Hilfe von Spenden ihrer finnischen Freunde ein Zentrum für ihre Hilfstätigkeiten in der Schüttelstraße.
In ihrem Lebensrückblick erzählt sie:
“…Ende 1986 erlaubte Gorbatschow die Ausreise für Juden. Durch Mundpropaganda erfuhren die Sowjetjuden, die zuerst in Österreich auf ihre Weiterreise warten mussten, von dem Zentrum, wo ihnen geholfen wurde. Es kamen jeden Tag Hunderte Menschen. Die ersten warteten bereits um sieben Uhr in der Früh, damit wir die Tür für sie öffneten, die letzten gingen um 22 Uhr. Es gab Schulen für Kinder, Vorträge für Erwachsene, Ärzte, Frisör, Essen, Kleiderverteilung, Konzerte, Filmabende, jüdische Feste wurden gefeiert. Am Anfang war ich allein, meine Familie half mir. Dann kam eine Freundin zur Hilfe, dann eine zweite. Aus Finnland meldeten sich immer ehrenamtliche Mitarbeiter. Zurückblickend bin ich überrascht, wie wir diese Zeit, die fünf Jahre dauerte, bewältigen konnten. Insgesamt ca. 60.000 Menschen besuchten unser Zentrum und zusätzlich besuchten wir sie in ihren Unterkünften.”
Ein weiteres Anliegen Eevas war es, zum Dialog zwischen Christen und Juden beizutragen. Sie erkannte, dass Antisemitismus zum Teil auch mit Unwissenheit zu tun hatte und versuchte Christen darüber aufzuklären
“welches Erbe sie in ihrer Religion vom Judentum haben und dass die ganze westliche Gesetzgebung ihren Ursprung im Judentum hat. Ich wollte und will etwas tun – auch wenn ich allein nicht viel tun kann – damit ein Holocaust nie mehr möglich sein kann.”
1990, nach der Revolution in Rumänien, organisierte Eeva die ersten Hilfstransporte für jüdische Gemeinden, zunächst in Oradea, später in 18 weiteren Gemeinden. Anfangs fuhr sie einmal im Monat, später mehrmals pro Jahr nach Rumänien, zwischendurch noch überall dorthin wo ihre Hilfe sonst nötig war, wie z.B. während des Jugoslawienkrieges, nach Sarajevo. Wenn sie nicht gerade auf Reisen war, wurde die Zeit mit Sammeln und Verwalten von Kleidern, Sach- und Geldspenden genützt. Eeva unternahm Vortragsreisen, um für ihre Aktionen zu werben und verstand es auch durchaus, finanzkräftige Spender ausfindig zu machen. So veranlasste sie z.B. die Wiener Symphoniker, in Bregenz bei den Festspielen für die Hilfstransporte nach Sarajevo zu sammeln.
2003 wurde aus der großen Freundin der Juden, selbst eine Jüdin. Sie konvertierte und hatte jetzt offiziell ihre geistige Heimat in der liberalen jüdischen Gemeinde “Or Chadasch”, mit der sie schon seit Jahren eng verbunden war.
2006 wurde sie auf Anregung von Staatsoperndirektor Ioan Holender, der auch die Laudatio hielt, mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet. Unter den zahlreichen Gratulanten und Gratulantinnen befanden sich die Botschafterin Finnlands, der Botschafter Rumäniens und der Botschafter Israels in Österreich. Es war dies eine wohlverdiente Würdigung Eevas für ihren jahrelangen Einsatz, jüdischen Gemeinden in Osteuropa zu helfen und für ihre Vermittlung zwischen Juden und Christen.
Eeva war Vorstandsmitglied des ehemaligen Vereins “Österreichisches Dialogforum für Israel”, den sie mitgegründet hatte und wurde 2006 in den Vorstand der ÖIG gewählt.
Bei all ihren Tätigkeiten hatte sie einen besonderen Helfer zur Seite, nämlich ihren Mann, Berti, der ihr stets mit Rat und Tat zur Seite stand. Auch ihre beiden Kinder, Tamara und Samuel nahmen regen Anteil an den Unternehmungen ihrer Eltern. Tamara schrieb mir, dass ihre Eltern alles gemeinsam gemacht hätten und dass der Vater immer hinter allen Aktivitäten seiner Frau gestanden sei. Die Arbeit für den Verein “Hilfe und Hoffnung”, den Eeva in den 80er Jahren gegründet hatte, lag ihm besonders am Herzen und nach seiner Pensionierung vor etwa 3 Jahren machte er alle Rumänienreisen jetzt regelmäßig mit seiner Frau gemeinsam.
So auch dieses Mal, es sollte das letzte Mal sein.
Mit Eeva-Elisheva und Adalbert Huber-Huber verlieren wir zwei große Menschen, die nie müde wurden, die Armut in den jüdischen Gemeinden Osteuropas zu bekämpfen und dadurch die Welt ein Stück besser zu machen. Sie werden uns sehr fehlen.