Antike Streichhölzer entdeckt

Archäologen der Hebräischen Universität Jerusalem haben die Theorie aufgestellt, dass es sich bei den kleinen zylindrischen Ton-Stäben, die in den vergangenen Jahrzehnten in Nordisrael entdeckt wurden, um die frühsten bisher bekannten Streichhölzer handelt.
Die Funde werden auf etwa 6.400 v.d.Z. datiert und wurden bisher für Phallus-Symbole gehalten, die dem Glauben der Forscher nach zu Kultzwecken angefertigt worden worden.

Die Forschungsgruppe, die diese Theorie nun in Frage gestellt hat, wird von Professorin Naama Goren-Inbar von der Hebräischen Universität geleitet. Goren-Inbar erforscht bereits seit langem den historischen Gebrauch von Feuer. Die Wissenschaft weiß viel darüber, wie früh Menschen und ihre Vorfahren bereits mit Feuer hantiert haben. Bei Ausgrabungen in den Golanhöhen wurden Hinweise auf Feuerstellen entdeckt, die etwa 750.000 Jahre alt waren und damit die ältesten Funde von domestiziertem Feuer in Euroasien darstellen.
Doch wie das Feuer entzündet wurde, darauf gab es bisher keine Antwort. Goren-Inbar sah die Stäbe in einer Ausstellung, wo sie als phallische Kultgegenstände präsentiert wurden. „Ich habe sie betrachtet und gesehen, dass sie auch eine andere Bedeutung haben könnten“, erklärt sie. Ihre Expertise in Feuergebrauch führte sie zur neuen Theorie. Feuerbohrer sind etwa von Aborigine-Kulturen in Australien, den Ureinwohnern Amerikas und sogar aus dem Alten Ägypten bekannt. Doch ein älteres Zeugnis dieser Technik war bisher noch nicht entdeckt worden. Bei der Betrachtung der Stäbchen unter dem Mikroskop fanden die Forscher Reibungsspuren, die ihre Theorie untermauern.

Wie es zu der Fehlinterpretation kommen konnte? „Alles, was lang und dünn ist, wird erst einmal als Phallus gesehen“, so Professor Yossi Garfinkel, der sich als erstes mit den Stäbchen beschäftigt hatte. „Unter Archäologen gibt es den Witz, dass alles, was man sich nicht erklären kann, als Kult interpretiert wird. Dies ist ein hervorragendes Beispiel dafür“, fügt er selbstironisch hinzu.        Haaretz