Demo bei Olympia-Eröffnungsfeier geplant

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 27. Juli 2012

Die israelische Sportministerin Limor Livnat wird sich während der Eröffnungsrede von IOC-Präsident Jacques Rogge zusammen mit ihrer Delegation erheben, zum Gedenken an die 1972 bei den olympischen Spielen 1972 in München ermordeten elf israelischen Sportler. Livnat vertritt offiziell den Staat Israel, nachdem Staatspräsident Schimon Peres abgesagt hat, weil die Eröffnungsfeier auf den Sabbat fällt.

Der geplante Protestakt der israelischen Ministerin wurde am Freitag Abend wenige Stunden vor der Feier in London bekannt gegeben. Dem voraus gegangenen waren wochenlange Bemühungen, den IOC-Präsidenten Rogge davon zu überzeugen, während der Eröffnungsfeier eine Gedenkminute für die Toten von 1972 einzulegen. Sogar der amerikanische Präsident Barack Obama und andere namhafte Politiker aus aller Welt, darunter Außenminister Guido Westerwelle, hatten sich für eine Gedenkminute ausgesprochen.
Doch Rogge blieb standhaft. Am letzten Wochenende hatte er noch gesagt: „Wir glauben, dass eine Eröffnungsfeier nicht die Atmosphäre bietet, um an einen solch tragischen Moment zu erinnern.“

Gemäß Medienberichten befürchtet Rogge einen Boykott arabischer und islamischer Staaten, falls er einem Gedenken für die Israelis zustimme. Am Montag erhielt Rogge noch eine Warnung per Brief des früheren Sicherheitschefs der palästinensischen Autonomiebehörde und heutigen Präsidenten des palästinensischen olympischen Komitees, Dschibril Radschoub. „Sport ist eine Brücke für Liebe, Kommunikation und das Verbreiten von Frieden zwischen den Nationen. Sport sollte nicht missbraucht werden für Spaltung und die Verbreitung von Rassismus.”  In einem Interview mit afp hatte Radschoub freilich auch behauptet, dass Sport dazu diene, die nationalen (palästinensischen) Ziele zu erreichen und dass der Sport als Mittel benutzt werde, den palästinensischen Kampf zu präsentieren.

Einen Protest gegen das IOC plant auch Bob Costas, der bekannteste Sport-Moderator im amerikanischen Fernsehen. Wie Sport1.de berichtet, will er bei der Eröffnungsfeier in London eine Minute lang während der Live-Übertragung schweigen, während die israelische Olympia-Mannschaft ins Stadion einmarschiert, zu Ehren der Toten des Olympia-Attentats von München 1972.

Politischen Ärger gab es auch wegen der Darstellung Israels auf der offiziellen Webseite der BBC zu den Olympischen Spielen. Bei den Länderprofilen wurde zunächst Jerusalem als künftige Hauptstadt Palästinas dargestellt, während bei Israel Tel Aviv als Landeshauptstadt bezeichnet wurde. Nach Protestbriefen unter anderem des Ministerpräsidentenamtes wurde die Darstellung schließlich mehrfach geändert. Am Ende wird Jerusalem als „Regierungssitz“ bezeichnet, mit dem Zusatz, dass die meisten Botschaften in Tel Aviv stünden.

Beim Profil „Palästina“ heißt es, dass Palästina vom IOC als Land anerkannt sei, nicht aber als „moderner Staat“. Unter der Rubrik „beabsichtigter Regierungssitz“ wird da Ost-Jerusalem angeführt. Ramallah diene als „administrative Hauptstadt“.

Auf der offiziellen homepage des IOC wurde der in Asien liegende Staat Israel Europa zugeschlagen, während Palästina in Asien liegt. Als Präsident des olympischen Komitees der Palästina wird Generalmajor Radschoub angegeben, doch als Adresse steht da nur ein Postfach in Gaza. Dorthin könnte sich Radschoub wegen der Feindseligkeit zwischen der im Gazastreifen herrschenden Hamas und der in Ramallah regierenden Fatahpartei nicht wagen.

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