Die Universität Wien benennt einen Hörsaal nach Univ. Prof. Dr. Erika Weinzierl

Erika Weinzierl war lange Jahre auch Mitglied im Beirat der ÖIG

Erika Weinzierl

 

 

 

 

 

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Uni Wien benennt Hörsaal nach Zeithistorikerin Erika Weinzierl
2. Juni 2016, 12:15

Offizielle Einweihung am 7. Juni in Gedenken an die Doyenne der österreichischen Zeitgeschichte

Wien – Die Uni Wien benennt einen Hörsaal nach der Historikerin Erika Weinzierl (1925-2014). Offiziell eingeweiht wird der ehemalige Hörsaal 28 im Hauptgebäude am 7. Juni, teilte die Uni am Donnerstag mit.

Weinzierl setzte sich bereits in den 1960er Jahren mit der Geschichte des Nationalsozialismus und des Antisemitismus auseinander und galt als Doyenne der österreichischen Zeitgeschichte.

Weinzierl war lange Jahre die einzige Professorin im Fachbereich Geschichte in Österreich. Sie promovierte 1948 an der Universität Wien, wo sie sich 1961 auch habilitierte. Drei Jahre später wurde sie zum Vorstand des kirchlichen Instituts für Zeitgeschichte nach Salzburg berufen und später zur Ordentlichen Professorin für österreichische Geschichte mit besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte ernannt. Von 1979 bis 1995 lehrte sie am Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien. (APA, 2.6.2016)

 


Nachruf auf Erika Weinzierl (Schalom Nr. 4 – 2014)

Erika Weinzierl – „esse quam videre“ (Cicero)

Zum 70. Geburtstag und anlässlich ihrer Emeritierung von der Universität Wien im Jahr 1995 machten sich die Mitarbeiter des Institutes für Zeitgeschichte der Universität Wien die Mühe Beiträge, Publikationen, Bücher, Vorlesungen und unter ihrer Herausgeberschaft veröffentlichte Werke in einer Broschüre zusammenzufassen.
63 kleingedrukte Seiten spiegelten ein universielles akademisches Leben wider und breiteten ein OEvre aus, das allein beim Lesen der Überschriften Demut und Bewunderung aufkommen liess. In den Vorlesungen Erika Weinzierls spürte man „Universität“.

Die Prüfungen galten als nicht unlösbar. Man scheiterte daran – von ihr aufgeweckt und motiviert – allen von ihr angerissenen interessanten Handlungssträngen, Hinweisen und Querverweisen im Studium nachgehen zu wollen. Sie lehrte Bildung – nicht Wissen. Das Privileg eines Kolloquiums anstatt einer schriftlichen Prüfung war ein Genuß. Man wußte anschließend was man nicht weiß, sie wußte es zuvor. Milde, die einen höchstens weiter motivierte,war ihre herausragendste Charaktereigenschaft. Lief ein Diplomanden- oder Dissertandenseminar gut, endete es mit einer Bonusvorlesung im benachbarten Gasthaus.

Die lateinische Urfassung von OEvre, nämlich Mühe (opera) trifft den Impetus ihres Lebens und Wirkens in zweierlei Weise: Erika Weinzierl bereitete Mühe. Sich selbst und den Anderen.
Schonungslose Analysen der jeweiligen politischen Situation brachte sie sowohl im Nationalsozialismus zum Widerstand gegen das Regime als auch in der (demokratischen) Nachkriegszeit zur Kritik an der katholischen Kirche, den jeweiligen an der Macht befindlichen oder dorthin strebenden Parteien, Personen oder gesellschaftlichen Phänomenen, wann immer sie es für notwendig erachtete. Auf Karriere, Beliebtheit oder ehemalige Mitstreiter nahm sie dabei – doch stets höflich bleibend – keine Rücksicht.
Nicht trotzdem, sondern eben darum versammelten sich zur Feier anlässlich ihrer Emeritierung von Bundesminister Rudolf Scholten, Bundespräsident a.D. Rudolf Kirchschläger, Kardinal Franz König, dem Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Paul Grosz u.a. eine im öffentlichen Leben Österreichs breit gestreute politische, religiöse und wissenschaftliche Festrednerschar. Man merkte, der Termin war keine Pflicht, sondern Anliegen.

Erika Weinzierls Vorlesungen waren gut besucht und beliebt. Die Schwerpunkte ihres Wirkens sind bekannt. Dass sie aber auch Vorlesungen zur Einführung in die Ur- und Frühgeschichte, über die Geschichte des Nahen Ostens, den Zionismus, zur Geschichte Österreichs jenseits der Zeitgeschichte gehalten hat, wissen nur mehr Wenige.

Erika Weinzierls gesellschaftliches Engagement aufzuzählen sprengt jeden Rahmen.
Wir sind stolz sie viele Jahre als Mitglied zum Beirat der Österreichisch-Israelischen Gesellschaft unter uns gehabt zu haben.

Erika Weinzierl ist am 28. Oktober 2014 im 90. Lebensjahr verstorben. Sie wurde am 10. November in einem Ehrengrab der Stadt Wien bestattet.
Eine „Gerechte“ ist nicht mehr und wird trotzdem bleiben.

(Hans-Jürgen Tempelmayr hat in den 80erjahren bei Frau Prof. Weinzierl Geschichte/Zeitgeschichte studiert)

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