Gemeinsame israelisch-palästinensische Meinungsumfrage

Aus einer aktuellen Meinungsumfrage, die durch die Konrad-Adenauer-Stiftung unterstützt wurde, geht hervor, dass die Ansicht zum Friedensprozess auf beiden Seiten weiterhin von Pessimismus und wechselseitigem Misstrauen geprägt ist. Dies spiegelt sich in den Ansichten der befragten Israelis und Palästinenser bezüglich des festgefahrenen Friedensprozesses und der Aussicht auf eine zeitnahe Lösung des Konflikts wieder. Dennoch ist die Kompromissbereit-schaft im Blick auf ein Endstatusabkommen auf beiden Seiten deutlich gestiegen.
Die gemeinsame israelisch-palästinensische Umfrage vom Dezember 2011 -  es wurden dafür 1.270 Palästinenser und 605 Israelis befragt – legte den Schwerpunkt auf den eingefrorenen Friedensprozess. Ein aktueller Akzent war der sich zuspitzende Konflikt mit dem Iran.

Die wichtigsten Ergebnisse
Generell herrscht sowohl bei Palästinensern als auch bei Israelis weiterhin Pessimismus vor. An einen Punkt fällt indes eine große Diskrepanz auf: Nur die israelischen Befragten gehen mehrheitlich davon aus, dass die bewaffnete Konfrontation nicht aufhören wird und beide Seiten nicht an den Verhandlungstisch zurückkehren werden. 54,4% aller Israelis glauben das. Im Dezember 2010 waren es lediglich 35,5%. Auf palästinensischer Seite ist man wesentlich weniger pessimistisch. Nur 19,9% glauben an eine Fortsetzung bewaffne- ter Zusammenstöße ohne Rückkehr an den Verhandlungstisch. Im Dezember 2010 waren es noch 35,1%.
Die Umfrage umfasst vier Themengebiete: das Meinungsbild über ein endgültiges Abkommen, Erwartungen hinsichtlich der Anerkennung eines palästinensischen Staates durch die Vereinten Nationen, ein israelischer Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen sowie Konfliktmanagement und Einschätzung von Bedrohungen.

Endgültige Grenzen und Gebietsaustausch


Von den Palästinensern unterstützen 63% einen israelischen Abzug aus dem Westjordanland und dem Gazastreifen unter folgenden Bedingungen: Siedlungsgebiete auf einer Landfläche, die weniger als 3% des Westjordanlands betrage, würden an Israel gegeben. Im Gegenzug erhielten die Palästinenser eine entsprechend große Gebietsfläche von Israel. Den Befragten wurde dies anhand einer Landkarte veranschaulicht. Dieselbe Karte wurde den Befragten schon im Dezember 2010 gezeigt, als die Befürwortung der Kompromisslösung noch bei 49% und die Ablehnung bei 50% lag. Im Jahr 2011 war die Unterstützung also 14% höher.

Auf der israelischen Seite befürworten 51 Prozent der Befragten einen palästinensischen Staat auf der gesamten Gebietsfläche von Judäa, Samaria und dem Gazastreifen – abzüglich einiger großer Siedlungsblöcke, die von Israel annektiert würden. Diese gehen aber nicht über 3% der Fläche des Westjordanlands hinaus. Israel würde im Gegenzug alle übrigen Siedlungen räumen und den Palästinensern ein Gebiet in der gleichen Größe entlang des Gazastreifens überlassen. Im Dezember 2010 sprachen sich 49% der Israelis für und 43% gegen diese Komponente aus.

Ende des Konflikts


Einem Kompromiss zur Beendigung des Konfliktes würden 63 Prozent der Palästinenser zustimmen, demzufolge die vollständige Umsetzung des Abkommens über den endgültigen Status das Ende des Konflikts und die Aufgabe aller gegenseitigen Forderungen bedeute. Die Konfliktparteien würden sich verpflichten, Palästina und Israel als die Heimatländer der jeweiligen Völker anzuerkennen. 35% hingegen lehnen diesen Kompromiss ab. Im Dezember 2010 befürworteten nur 58% diesen Vorschlag und 41% lehnten ihn ab.

Unter den befragten Israelis befinden sich 70%t, die diesen Kompromiss zur Beendigung des Konflikts unterstützen und 27%, die ihn verwerfen. Ähnliche Angaben weist auch die Umfrage von Dezember 2010 auf, in der 68% der Israelis sich für diese Lösung aussprachen, während 25% sich negativ dazu äußerten.

Niedrige Chancen für unabhängigen Palästinenserstaat


Die Erwartungen hinsichtlich eines Endstatusabkommens sind auf beiden Seiten gedämpft. 68% der Israelis und 62% der Palästinenser denken, es sei derzeit unmöglich, eine solche Einigung zu erzielen.

Auch die Chancen auf die Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates innerhalb der nächsten fünf Jahre neben dem Staat Israel werden von beiden Bevölkerungen als niedrig eingeschätzt. 66% der Israelis und 63% der Palästinenser halten diese für gering bis nicht bestehend.

Anerkennung eines Palästinenserstaates durch Vereinte Nationen?


Während 52%  der Palästinenser denken, dass ein Staat Palästina im Jahr 2012 die Mitgliedschaft in den Vereinten Nationen erhält, glauben 42% nicht daran. Auf israelischer Seite rechnen 44%  mit der UN-Mitgliedschaft, während 49% nicht davon ausgehen.
Auf die Frage, welche Reaktion die Israelis von den Palästinensern erwarten, antworteten 47% der Israelis, dass sie mit einer Intifada und bewaffneten Zusammenstößen seitens der Palästinenser rechneten. 25% hofften auf einen gewaltlosem Widerstand wie friedlichen Demonstrationen und 17% gehen davon aus, dass die Palästinenser in diesem Fall zu Verhandlungen mit der israelischen Regierung zurückkehrten. Die palästinensische Antwort ist geteilt: 31% denken, sie könnten den Abzug der Israelis durch friedliche gewaltlose Demonstrationen erreichen, 30% glauben, bewaffnete Angriffe auf die israelische Armee und Siedler könnten einen Rückzug erzwingen und 32% halten Verhandlungen für das richtige Mittel.

Ein israelischer Militärschlag gegen die iranischen Nuklearanlagen


Von den Israelis befürworten 47 Prozent eine etwaige Bombardierung der iranischen Nuklearanlagen, 41% sprechen sich dagegen aus. 56% denken, dass die Mehrheit der israelischen Öffentlichkeit einen solchen Schlag unterstützen würde, wohingegen nur 25% von dem Gegenteil ausgehen.

Die Palästinenser sind gespalten in ihrer Einschätzung der Wahrscheinlichkeit eines israelischen Militärschlages gegen die iranischen Kernanlagen: Während 48% einen Angriff für wahrscheinlich halten, denken weitere 48% der Befragten, dass dies nicht geschehen werde.

Anerkennung der Identität des Anderen


Die gegenseitige Anerkennung der Identität des Anderen im Rahmen eines Endstatusabkommens unterstützen 66% der israelischen Öffentlichkeit, 29% lehnen sie ab. Unter den Palästinensern liegt die Befürwortung für diesen Schritt bei 52%, während sich 47% dagegen aussprechen. Im September 2011 lag der Zuspruch zu dieser Maßnahme unter den Israelis noch bei 58%, 36% lehnten die gegenseitige Anerkennung der Identität ab. Die entsprechenden Zahlen für die palästinensische Bevölkerung lagen bei 46% Unterstützung und 52% Widerspruch.

Mögliche langfristige Ziele 


Etwa 60% der Palästinenser sehen ein langfristiges Ziel der Israelis in einer Ausweitung der israelischen Grenzen über die gesamte Fläche zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer und eine Ausweisung arabischer Staatsbürger. Hingegen gehen 22% davon aus, dass Israels Absicht darin liege, das Westjordanland zu annektieren und den Palästinensern politische Rechte zu verwehren. 

Nahezu die Hälfte der Israelis (45%) glaubt wiederum, dass das langfristige Ziel der Palästinenser in der Eroberung des israelischen Staates und der Auslöschung eines Großteils der in Israel lebenden, jüdischen Bevölkerung bestehe. 22% gehen davon aus, dass die Absicht der Palästinenser die Eroberung des Staates Israel sei. Nur 17% der Palästinenser denken, dass das langfristige Bestreben der Israelis darin liege, sich aus den 1967 besetzten Gebieten oder Teilen davon zurückzuziehen. 29% der Israelis vermuten, dass die Palästinenser beabsichtigten, einen Teil oder das gesamte Gebiet, das 1967 von Ägypten und Jordanien erobert wurde, zurückzugewinnen.

 

Comments are closed.