Israelische Eliteeinheit stürmt arabisches Dorf

Kloake überflutet israelische Ortschaft
von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 10. Januar 2013

Das arabische Dorf Baka el Rarbieh (Bakah-West) wurde von der Eliteeinheit 669 der israelischen Luftwaffe gestürmt. Die Familie Abed Ali saß wegen Überschwemmungen auf dem Dach ihres Hauses fest, als sie auf die Idee kam, die israelische Luftwaffe um Hilfe zu rufen. Eine Stunde lang schwebte ein CH-53 Jasur Helikopter über dem Haus, bis die gesamte 15-köpfige Familie sicher im Bauch des schweren Hubschraubers aufgenommen war. Die Elitesoldaten filmten die Aktion mit Kameras an ihren Helmen.

Der Hadera-Fluss war über die Ufer getreten, und so war das isolierte Haus der Familie Abed Ali völlig von reißenden Fluten umgeben. Ganem Abed Ali, einer der Geretteten, erzählte: „Erst ließen sich die Kämpfer an Seilen zu uns herab, und redeten mit uns, um uns zu beruhigen. Dann wurden wir einer nach dem anderen, zum Hubschrauber hochgehievt.“
Die Familie wurde schließlich nach Petach Tikva zum Beilinson-Hospital geflogen, um ärztlich versorgt zu werden. „Gott sei Dank, dass die Luftwaffe uns gerettet hat“, sagte Abed Ali. „Ganz Baka applaudiert.“
Zuvor hatten Soldaten der 669 Einheit einen Bürger des arabischen Dorfes Taibeh vom Dach seines in den Fluten untergehenden Autos mit einem Blackhawk-Helikopter gerettet.

Baka-West liegt an der Grenze zum Westjordanland nördlich von Natanja und Kalkilja. Infolge des Unabhängigkeitskrieges von 1948 wurde das Dorf geteilt. Baka el Scharkieh (Baka-Ost) fiel unter jordanische Herrschaft. Nachdem Israel 1967 das jordanische Westjordanland erobert hatte, verschwand die Grenze. Baka konnte wieder zusammenwachsen. Weil dessen Bewohner enge Kontakte zur israelischen wie zur palästinensischen Seite hatten, blühte es auf. Das ging gut bis 2003, als Israel wegen palästinensischen Terrors auf Geheiß von Ariel Scharon einen Sperrwall errichtete, um das Westjordanland hermetisch von Israel auszusperren. Aus Rücksicht auf die engen Bande der Familien in Baka wurde Baka-Ost mit dem Zaun auf die israelische Seite gezogen, um das Dorf nicht wieder zu spalten.
Der Fall kam vor die UNO und die internationale Gemeinschaft erhob lauten Protest gegen diese illegale Annexion arabischen Territoriums durch Israel. Trotz heftigen Einspruchs arabisch-israelischer Abgeordneter beugte sich der Hardliner Scharon dem internationalen Druck. Er befahl, den Zaun um Baka-Ost wieder abzureißen und mitten durch das Dorf eine Mauer zu errichten. Dabei wurden die Fenster von Häusern auf der Grenzlinie zugemauert, ähnlich wie entlang der Bernauer Straße in Berlin. Wegen dieser von der internationalen Gemeinschaft geforderten Teilung des Dorfes wurden Hochzeiten abgesagt. Fabriken in Baka-Ost machten pleite, weil sie ihren Markt in Israel verloren hatten.

In Bat Chefer, etwas weiter südlich von Baka, hat eine Flutwelle mit Abwasser aus der palästinensischen Stadt Tulkarem mindestens zehn Häuser völlig überflutet und teilweise zerstört. Die Ortschaft liegt im Schatten der etwa acht Meter hohen Schutzmauer zwischen Israel und den palästinensischen Gebiet. Trotz dingender Bitten der Anwohner hatte es das Verteidigungsministerium versäumt, rechtzeitig Wasserkanäle unter der Mauer von Gestrüpp und Müll zu befreien. So entstand hinter der Mauer ein Stausee, bis ein etwa zehn Meter langes Teilstück der Mauersegmente dem Druck nicht mehr standhielt und die Ortschaft Bat Chefer mit Kloake überflutete. Miram Aschuach berichtete am Morgen im Rundfunk: „Es stinkt schrecklich. Das ganze untere Stockwerk ist mit Kloake verseucht. Man hat uns gesagt, nichts anzurühren. Rettungsmannschaften stehen bereit, uns hier rauszuholen.“