Leserbrief Die Presse Tempelberg

Presse. 10.11.2015,S.22

30DEBATTE
Falschinformation löste „Gewaltwelle“ aus
Zur Berichterstattung über den Nahost-Konflikt
Zu den häufig zu lesenden Formulierungen: „Gewaltwelle . . . entzündete sich“/„Streit um Nutzungsrechte auf dem Juden wie Muslimen gleichermaßen heiligen Tempelberg . . .“ darf ergänzend Folgendes angemerkt werden:

Der Tempelberg ist Juden und Muslimen nicht, wie suggeriert wird, gleichermaßen heilig. Beim Tempelberg resp. der Klagemauer (Western Wall) handelt es sich, auch wenn es nach (wiederholter) palästinensischer Lehrmeinung dort nie einen Tempel gab, um das wichtigste Heiligtum gläubiger Juden. Für Muslime handelt es sich nach eigenen Angaben, unbestritten um das – und das erst auch später definiert – drittheiligste „Heiligtum“ nach Mekka und Medina. Der historische (Prophet) Mohammed war auch physisch nie in Jerusalem. Weiters, um genau zu sein, entzündete sich eine Welle der Gewalt nicht so von selbst, sondern die „Gewaltwelle“ wurde durch gezielte Falschinformation zahlloser palästinensischer Politiker und Prediger über angeblich von Israel geplante geänderte Nutzungsbestimmungen bewusst in Bewegung gesetzt. Ein Streit über die Nutzung des Tempelbergs zwischen dem Staat Israel und Jordanien ist mir nicht bekannt.

Die religiöse Hoheit wurde großzügig unmittelbar nach dem Sechstagekrieg den Jordaniern im Wege des Wafq (der Religionsbehörde) kultur- und religionssensibel übertragen und seither nicht angetastet. Zum Vergleich: Auch der Zweite Weltkrieg „brach“ bekanntlich, wie oft dümmlich geschrieben wird, nicht aus oder entzündete sich (selbst), sondern wurde vom Deutschen Reich begonnen. Manchmal muss der Aggressor auch benannt werden.

Jegliche Provokation (weniger) israelischer Extremisten, wobei die Provokation im Besuch des Plateaus bestand, wurde vom Staat Israel unterbunden, während in der al-Aqsa-Moschee fast täglich zu Messerstechereien (Morden) aufgerufen wird. Mit Erfolg.
Mag. Hans-Jürgen Tempelmayr,

Beiratsmitglied Österreichisch-Israelische Gesellschaft, 1050 Wien