Presseaussendung der ÖIG

15.02.2016 / 11:19 / POLITIK

KZ-Häftlinge als „Verbrecher“ zu bezeichnen ist ein Verbrechen

Zur Diskussion über einen Häftinge von Konzentrationslagern herabwürdigenden Artikel in der Zeitschrift ‚Aula‘

Wien (OTS) – Die österreichisch-Israelische Gesellschaft drückt ihre Solidarität mit den wenigen überlebenden Häftlingen der Konzentrationslager und ihrer Nachkommen aus und verwehrt sich gegen die pauschalierende Verunglimpfung von Überlebenden als „Landplage“ bzw. „Berufsverbrecher“.

Erschreckend unsensibel und für die Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes beleidigend übernehmen die Staatsanwaltschaft Graz und der Rechtsschutzbeauftragte des Bundesministeriums für Justiz die vom Autor bewusst verwendete nationalsozialistische Deutungshoheit der Begriffe „Berufsverbrecher“ für in Konzentrationslagern inhaftierte Personengruppen und die pauschale Zuordnung aller inhaftierten Personen unter diesen Begriff.

Wenn nach der Befreiung 1945 tausende Häftlinge der Konzentrationslager an der Grenze zum Hungertod in Dörfern um etwas Nahrung bettelten und angesichts zahlreicher beschämend verschlossener und feindlicher Türen, sowie der notorischen Verweigerung der Zuständigkeit offizieller Stellen (Bürgermeister und Gemeindeämter) für diese Menschen, gelegentlich Nahrungsmittel an sich nehmen mussten, um die Befreiung zu überleben, bezeugt dies eher die antisemitische und nationalsozialistische (kriminelle) Gesinnung von Teilen der Bevölkerung denn der Häftlinge.

Der Autor dieses Artikels in der Zeitschrift Aula unterschlägt darüberhinaus, dass sich durchaus anständige Bürger der umliegenden Ortschaften an der Erstversorgung orientierungsloser, hungernder Häftlinge beteiligt haben und so zahlreiche Menschenleben gerettet haben und beleidigt deren Anstrengungen, indem dies indirekt als Hilfestellung für Verbrecher und deren Hunger als Landplage dargestellt wird.

Eine wirkliche Landplage und Verbrecher waren eher jene Einheimischen, die sich kurz vor der Befreiung freiwillig an der brutalen und mörderischen Jagd auf russische Kriegsgefangene beteiligten, der sogenannten ‚Mühlviertler Hasenjagd‘.

Das Konzentrationslager Mauthausen war eines der schrecklichsten Lager im 3. Reich und das einzige auf ‚Reichsgebiet‘ mit der Lagerstufe III, also dem Bestreben eine Beendigung der Haft ausschliesslich durch Tod (Mord) herbeizuführen.

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