Rosh Hashanah 5775 – Vorabend des Do 25.09.2014

Rosh Hashana heißt „Kopf (Anfang) des Jahres“ und hat seinen Ursprung in der Torah, im Dritten Buch Moses (Kap.23).

„Der erste Tag des siebenten Monats (﴾Tischri, im Herbst)﴿ ist ein Feiertag zum Gedenken an den Klang des Schofars…“

 

Dieser Feiertag wurde erst später, nach dem babylonischen Exil, in der „Mischna“, der so genannten „mündlichen Torah“, von den damaligen Gelehrten zum Jahresanfang im Herbst erklärt, vermutlich um das Mondjahr zu etablieren. Zuvor galt das Frühjahr als Jahresanfang sowohl wegen der Landwirtschaftszyklen, jedoch insbesondere aufgrund der Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft, wie es im 2. Buch Moses 12,2ff heißt:

„G‘tt sagte zu Moses und Aron im Lande Ägypten: dieser Monat (﴾Nissan, im Frühjahr)﴿ sei für Euch der erste Monat des Jahres….“

In der Synagoge wird Schofar geblasen, es wird um ein gutes Neues Jahr gebetet sowie Sühne und Besserung gelobt. Rosh Hashana wird auch als „Jom Hadin“  Tag des Gerichts -‐be zeichnet.

Man wünscht seinen Mitmenschen „Shana Tova“  ein gutes Jahr. Ein schöner Brauch ist der symbolische Verzehr von Süßem, z.B. Äpfeln mit Honig und der gegenseitige Wunsch „Shana tova umetuka“  ein gutes und süßes Jahr. Einer der vielen weiteren Bräuche ist „Taschlich“ frei übersetzt: „wirf weg!“ bei dem man sich an ein fließendes Gewässer begibt und seine Sünden symbolisch in Form von Brotbröseln ins Wasser wirft.

(﴾Rosh Hashana 5775 beginnt in diesem Jahr am Abend des 24. September. Das Datum verschiebt sich alljährlich aufgrund der Synchronisierung des jüdischen Mondkalenders mit dem gregorianischen Sonnenkalender)﴿ .

 

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Die Hohen Feiertage des Judentums – Rosh Hashana und Jom Kippur

Rosh Hashana heißt „Kopf (﴾Anfang)﴿ des Jahres“ und hat seinen Ursprung in der Torah, im Dritten Buch Moses (﴾Kap.23)﴿.

„Der erste Tag des siebenten Monats (﴾Tischri, im Herbst)﴿ ist ein Feiertag zum Gedenken an den Klang des Schofars…“

Dieser Feiertag wurde erst später, nach dem babylonischen Exil, in der „Mischna“, der so genannten „mündlichen Torah“, von den damaligen Gelehrten zum Jahresanfang im Herbst erklärt, vermutlich um das Mondjahr zu etablieren. Zuvor galt das Frühjahr als Jahresanfang sowohl wegen der Landwirtschaftszyklen, jedoch insbesondere aufgrund der Befreiung aus der ägypti-‐ schen Knechtschaft, wie es im 2. Buch Moses 12,2ff heißt:

„G‘tt sagte zu Moses und Aron im Lande Ägypten: dieser Monat (﴾Nissan, im Frühjahr)﴿ sei für Euch der erste Monat des Jahres….“

In der Synagoge wird Schofar geblasen, es wird um ein gutes Neues Jahr gebetet sowie Sühne und Besserung gelobt. Rosh Hashana wird auch als „Jom Hadin“  Tag des Gerichts -‐be zeichnet.

Man wünscht seinen Mitmenschen „Shana Tova“  ein gutes Jahr. Ein schöner Brauch ist der symbolische Verzehr von Süßem, z.B. Äpfeln mit Honig und der gegenseitige Wunsch „Shana tova umetuka“  ein gutes und süßes Jahr. Einer der vielen weiteren Bräuche ist „Taschlich“ frei übersetzt: „wirf weg!“ bei dem man sich an ein fließendes Gewässer begibt und seine Sünden symbolisch in Form von Brotbröseln ins Wasser wirft.

(﴾Rosh Hashana 5774 beginnt in diesem Jahr am Abend des 4. September. Das Datum verschiebt sich alljährlich aufgrund der Synchronisierung des jüdischen Mondkalenders mit dem gregorianischen Sonnenkalender)﴿ . Jom Kippur heißt „Tag der Versöhnung“ und hat seinen Ursprung ebenfalls in der Torah, im Dritten Buch Moses (﴾Kap. 23)﴿.

„ … der zehnte Tag dieses Monats soll euch heilig sein, es ist der Versöhnungstag … der höchste Sabbat … an dem ihr eure Seelen kasteien und vor dem Ewigen, eurem G‘tt sühnen sollt … vom Abend bis zum Abend… „

Jom Kippur beginnt somit am Abend  wie jeder Shabbat und alle Feiertage (﴾„Erev“)﴿  gemäß der Schöpfungsgeschichte in Genesis 1: „…es wurde Abend und es wurde Morgen, Tag eins, … zwei, … bis sechs“.

Der Vorabend von Jom Kippur wird „Kol Nidre“  „Alle Gelübde“  genannt, nach dem wohl bekanntesten Gebet im Judentum. Es stammt vermutlich aus der Zeit der Inquisition im 15. Jahrhundert als Reaktion auf erzwungene Übertritte von Juden zum Christentum. Darin werden alle Gelübde, Schwüre und Versprechen die man unter Zwang oder unüberlegt gegeben hat, als ungültig erklärt.

Am Jom Kippur ist für Juden strenges Fasten (﴾weder Essen noch Trinken)﴿ geboten  vom Vorabend bis zum Tagesende. Es wird den ganzen Tag gebetet. Dabei geht es überwiegend um das Bitten um Vergebung der Sünden und der Aussöhnung mit G‘tt. Man soll auch versuchen, Menschen, mit denen man im vergangenen Jahr Streit hatte, zu vergeben und sich zu versöhnen.

Nach dem abschließenden Bekenntnis zum Einzigen G‘tt und dem letzten Ton des Schofars soll ein „reines“ Neues Jahr, ohne Vorlasten aus der Vergangenheit, beginnen.

(﴾Jom Kippur beginnt in diesem Jahr am Abend des 13. September)﴿

Für „schalom“ von Carlos Günther
Die Hohen Feiertage des Judentums Rosh Hashana und Jom Kippur

Die Österreichisch-entbietet allen Mitgliedern und Freunden ein aufrichtiges „SHANA TOVA“

Jüdische Feste in Israel

Jüdische Feste antiken Ursprungs werden in Israel intensiv und auf vielerlei Art begangen. Die Feste finden ihren Ausdruck in traditionellen oder modernen Gebräuchen und Praktiken. Sie prägen darüber hinaus das nationale Leben nachhaltig. Die jüdischen Feste sind „Orientierungspunkte“, die den Jahresverlauf in Israel einteilen. Sie sind feste Bestandteile des täglichen Lebens: auf den Straßen, im Schulsystem sowie in Synagogen und Haushalten im ganzen Land.

DER SCHABBAT ist der Ruhetag der Woche. Er fällt auf den Samstag und wird in Israel meistens in der Familie oder mit Freunden verbracht. Die öffentlichen Verkehrsmittel ruhen, Geschäfte sind geschlossen, wichtige Versorgungsdienste sind auf ein Minimum reduziert, und möglichst viele Soldaten erhalten Urlaub. Die säkulare Bevölkerungsmehrheit nutzt ihren wöchentlichen Ruhetag für Freizeitaktivitäten am Strand und anderen Erholungsstätten oder zu Exkursionen und Ausflügen in die Natur. Die religiöse Bevölkerung widmet reichen Mahlzeiten im Kreise der Familie und natürlich den Gottesdiensten in der Synagoge viele Stunden. Religiöse Menschen reisen am Schabbat nicht, enthalten sich jeglicher Arbeit und benutzen keinerlei elektrische Geräte.

ROSCH HASCHANA ist das jüdische Neujahrsfest. Das Fest hat einen biblischen Ursprung (Lev. 23,23-25): „ein heiliger Tag mit lautem Blasen des Shofar (Widderhorn) zum Gedächtnis“. Der Begriff Rosh Hashana – zu deutsch Jahresbeginn – ist rabbinisch. Auch die ehrfurchtsvollen Inhalte des Festes stammen aus rabbinischer Zeit: Reue und Buße, Vorbereitung auf den Tag des göttlichen Gerichts und Gebete für ein fruchtbares Jahr. Das zweitägige Fest fällt auf den 1. und 2. Tischre des jüdischen Kalenders, findet also gewöhnlich im September des Gregorianischen Kalenders statt. Das Fest beginnt, wie alle jüdischen Feiertage, am Abend des Vortages. Zu den wichtigen Gebräuchen von Rosh Hashana gehören das Shofar-Blasen während eines ausgedehnten Gottesdienstes, der sich auf die Inhalte des Festes konzentriert, und reiche, häusliche Mahlzeiten, mit denen der Beginn des neuen Jahres gefeiert wird. Die Gebetsliturgie enthält als zusätzliche Einschaltungen in die gewöhnliche Liturgie Bußgebete.
Das Hallel, eine Sammlung von Segenssprüchen und Psalmliedern, wird zu Beginn eines jeden neuen Monats an den drei Wallfahrtsfesten und anläßlich allgemeiner Errettung aus Not gesprochen.
In vielerlei Hinsicht beginnt das Jahr in Israel an Rosh Hashana. Regierungskorrespondenzen, Zeitungen und die meisten Radiosendungen, um nur drei Beispiele zu nennen, tragen zuerst das „jüdische Datum“. Glückwünsche zum Neuen Jahr werden zu Rosh Hashana versandt, nicht im Dezember.

JOM KIPUR, acht Tage nach Rosch Haschana, ist der Versöhnungstag, der Tag des göttlichen Gerichts, der Buße und Umkehr (Lev. 23, 27-32), an dem die Verfehlungen des einzelnen Menschen gesühnt werden. Es ist der einzige in der Bibel genannte Fastentag. Der Jom Kippur ist ein Tag, um über die eigenen Verfehlungen und Vergehen nachzudenken. Juden beten an diesem Tag um Vergebung der Sünden zwischen Menschen und Gott und bereuen fehlerhaftes Handeln und Vergehen im zwischenmenschlichen Bereich. Die wichtigsten religiösen Vorschriften des Jom Kippur – lange Bittgottesdienste und ein 25stündiges Fasten – werden selbst von vielen, eigentlich säkularisierten Menschen befolgt. Würde und feierlicher Ernst des Jom Kippur in der Öffentlichkeit sind stärker ausgeprägt als bei anderen Festen, Rosh Hashana ausgeschlossen. Das Land kommt für 25 Stunden zu einem absoluten Stillstand. Alle Unterhaltungs- und Vergnügungsstätten sind geschlossen; Fernseh- und Radiosendungen werden eingestellt – sogar Nachrichten werden nicht gesendet; der öffentliche Verkehr ruht, die Flughäfen werden geschlossen und viele Straßenzüge abgesperrt. Der Ernst des Tages wird in Israel durch die Erinnerung an den Krieg von 1973, also an den Überraschungsangriff Ägyptens und Syriens auf Israel am Jom Kippur, zusätzlich unterstrichen.

Fünf Tage später wird SUKKOT gefeiert, das die Bibel (Lev. 23,34) als das „Fest der Laubhütten“ bezeichnet. Sukkot ist eines der drei Feste, die bis ins Jahr 70 n.d.Z. mit großen Pilger- und Wallfahrten zum Jerusalemer Tempel gefeiert wurden und daher als die Wallfahrtsfeste bekannt sind. An Sukkot erinnern Juden sich an den Auszug aus Ägypten (13. Jh. v.d.Z.) und danken für eine reiche Ernte. In einigen Kibbutzim wird Sukkot als Chag Ha´asif (Erntefest) gefeiert. Hier stehen dann Themen wie das zweite Einbringen des Getreides und die Ernte der Herbstfrüchte, der Beginn des landwirtschaftlichen Jahres und der erste Regen im Mittelpunkt.
Während der fünf Tage zwischen Jom Kippur und Sukkot errichten Zehntausende von Haushalten und Geschäften Sukkot – Laubhütten, in denen man vorübergehend lebt und vor allem die täglichen Mahlzeiten einnimmt. Diese Laubhütten sind jenen Hütten nachgebildet, in denen die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste lebten. Auch werden Palmwedel, Zitrusfrüchte (Etrogim), Myrten- und Weidenzweige erworben, die für den Ritus der Festgebete an Sukkot als Schmuck unverzichtbar sind. Im ganzen Land errichtet man Laubhütten auf Parkplätzen, Hausdächern, Rasenanlagen und öffentlichen Plätzen. Jede Militärbasis hat ihre Laubhütte. Einige Israelis verbringen das Fest und die folgenden sechs Tage in ihrer Laubhütte.
In Israel begeht man die eigentlich „heilige Zeit“ des Laubhüttenfestes ( und der beiden anderen Wallfahrtsfeste, Pessach und Shavuot) an einem Tag. Diasporagemeinden feiern zwei Tage und setzen damit eine Notwendigkeit aus der Zeit der Antike fort, als die genauen Daten für die Festtage im Tempel bestimmt und mit einem groß angelegten Netz von Signalfeuern und Boten in die Diaspora gemeldet wurden.
Nach dem eigentlichen Festtag wird das Laubhüttenfest gemäß der Thora (Lev. 23,36) für weitere sechs Halbfeiertage fortgesetzt. Während dieser Woche – jeder Tag ist halb Alltag und halb Festtag – sind die Schulen geschlossen, zahlreiche Geschäfte und Firmen schließen gänzlich oder sind halbtags geöffnet. Viele Israelis verbringen diese Tage an Sukkot oder Pessach an den Erholungsorten im ganzen Land.

Die Woche nach dem Laubhüttenfest und somit dieser gesamte Festtagszyklus enden mit SCHEMINI ATSERET, der „heiligen Versammlung am achten Tag“ (Lev. 23,36), der mit der SIMCHAT THORA, dem Thorafreudenfest, verbunden wird. Die Feiern an Shemini Atseret/Simchat Thora konzentrieren sich auf die Thora – die Fünf Bücher Mose. Das Fest ist dafür bekannt, daß öffentlich mit den Thorarollen im Arm getanzt wird. An Simchat Thora werden Schluß und Anfang der Thora gelesen, damit kommt der Jahreszyklus der Thoralesungen zu einem Abschluß und wird sogleich wieder aufgenommen. Nach Sonnenuntergang richten viele Gemeinden meist unter freiem Himmel weitere Festaktivitäten aus, die nicht mehr durch die rituellen Bestimmungen des Feiertages eingeschränkt werden.

CHANUKKA beginnt am 25. Kislev (gewöhnlich im Dezember) und erinnert an den Triumph jüdischer Truppen unter der Führung der Makkabäer über die griechischen Herrscher (164 v.d.Z.): ein gewaltiger Sieg der kleinen jüdischen Nation gegen das mächtige hellenistische Königreich der Seleukiden und ein geistiger Sieg des jüdischen Glaubens über den Hellenismus. Die Heiligkeit des Festes leitet sich aus diesem geistigen Aspekt des Sieges und dem Wunder des Ölkrügleins ab: Nach der Überlieferung reichte geheiligtes Öl, dessen Menge nur genügt hätte, um den Leuchter im Tempel für einen Tag zu versorgen, bei der Wiedereinweihung des Tempels für acht Tage aus.
Chanukka wird in Israel und der Diaspora während acht Tagen gefeiert. Zentrales Motiv dieser Festtage ist das Anzünden von Kerzen an jedem Abend – eine Kerze am ersten Abend, zwei am zweiten und so fort. Dies geschieht in Erinnerung an das erwähnte Wunder im Tempel. Die Chanukka-Botschaft in Israel konzentriert sich stark auf die Aspekte der durch die Makkabäer wiederhergestellten Souveränität; Gebräuche, die in der Diaspora weit verbreitet sind, wie das Verteilen von Geschenken oder das Drehen des Dreidl (Kreisel), sind jedoch auch in Israel anzutreffen. Die Seiten des Kreisels sind mit den hebräischen Anfangsbuchstaben des Satzes „Ein großes Wunder ist hier geschehen“ verziert; in der Diaspora stehen die Buchstaben für „Ein großes Wunder ist dort geschehen“. Schulen sind während der acht Chanukka-Tage geschlossen; Geschäfte aber sind geöffnet und alle Büros oder Dienstleistungsbereiche arbeiten regulär.

TU B`SCHVAT, am 15. Sh’vat (Januar-Februar), gilt nach rabbinischen Quellen als das Neujahrsfest des Obstbäume im Hinblick auf das Sabbatjahr, die Verzehntung und andere Zwecke. Das Fest hat nahezu keine rituelle Bedeutung. Im Laufe der Zeit hat es jedoch als ein Tag, an dem insbesondere von Schulkindern Bäume gepflanzt werden, sowie als Pflanzzeit im Rahmen intensiver Aufforstung durch den Jüdischen Nationalfonds und die Kommunalbehörden eine säkulare Gestalt angenommen. In diesem Monat beginnen die Obstbäume zu blühen, allen voran die Mandelbäume, auch wenn es oft noch bitterkalt ist.

PURIM, ein anderes rabbinisches Fest im Frühjahr, wird am 14. Adar bzw. In Städten mit einer Stadtmauer am 15. Adar begangen. Das Fest erinnert an die Errettung der bedrängten Judenheit im persischen Reich unter König Artaxerxes, von der uns das biblische Buch Esther erzählt. Dieses Fest kompensiert Ernst und Würde der meisten anderen jüdischen Festvorschriften, indem es Ausgelassenheit und Freude gebietet. Schulen sind geschlossen, es finden öffentliche Partys und Feste statt und Zeitungen melden allerlei Enten – ähnlich den Aprilscherzen. Kinder (und Erwachsene) verkleiden sich mit bunten Kostümen. Die festliche Verlesung der Esther-Rolle in der Synagoge wird von allerlei Lärminstrumenten begleitet, die immer dann ertönen, wenn der Name Hamans fällt. Orthodoxe Gläubige geben sich, in gesetzten Grenzen, einem Rausch der Ausgelassenheit hin und erfüllen eine genaue Liste allerlei Verpflichtungen: Almosengeben, Abend- und Morgenlesungen der Esther-Rolle, Austausch von Leckerbissen und Delikatessen sowie üppige Festessen.

Im Frühling beginnt am 15. Nissan das PESSACHFEST (Pessach), das an den Auszug aus Ägypten (13. Jh.v.d.Z.) und die Befreiung aus der Knechtschaft erinnert. Freiheit ist der dominierende Gehalt des Pessachfestes. Das Passahritual beginnt lange vor dem eigentlichen Fest, wenn Haushalte und Geschäfte beginnen, nach den Vorschriften der Thora (Ex. 12, 15-20) jegliches Chametz (Gesäuertes) aus den Wohnungen und Räumlichkeiten zu entfernen. Der Tag vor dem Fest ist letzten vorbereitenden Maßnahmen gewidmet, darunter der zeremoniellen Verbrennung aller für das Fest unzulässigen Lebensmittel. Am Vorabend des Passahfestes wird der Seder durchgeführt; zum Seder gehört die Lesung des Hagadah, einer ausführlichen Wiedererzählung der Knechtschaft und des Auszugs aus Ägypten. Die gesamte Familie kommt zum Seder zusammen, um sich an der Matza – dem ungesäuerten Brot – und anderen traditionellen Speisen zu erfreuen. Die Festvorschriften für den folgenden Tag entsprechen dann denen der übrigen Wallfahrtsfeste.
Ähnlich wie am Jom Kippur werden die traditionellen Festvorschriften und -gebräuche des Passahfestes in hohem Umfang auch von großen Teilen der nicht-religiösen Bevölkerung beachtet. In einigen Kibbutzim wird ein säkularer Pessachritus gefeiert, der auf den landwirtschaftlich assoziierten Elementen des Festes beruht. Das Pessachfest ist hier ein Frühlings- und Freiheitsfest. Es bezeichnet die Zeit der Ernte des ersten reifen Getreides. Zum Pessachfest gehört auch eine weitere Woche von fünf Halbfeiertagen für längere Gebetsgottesdienste und Freizeitaktivitäten. Die Festwoche wird mit einem zusätzlichen Feiertag abgeschlossen.

Traditionelle Riten öffentlicher Trauer stehen im Mittelpunkt des HOLOCAUSTMÄRTYRER- UND HELDENGEDENKTAGES (JOM HASHOAH) knapp eine Woche nach dem Pessachfest. Das israelische Volk gedenkt an diesem Tag den sechs Millionen Märtyrern des jüdischen Volkes, die von den Nationalsozialisten im Holocaust ermordet wurden. An diesem Tag ertönt um zehn Uhr morgens eine Sirene, die zwei Minuten des Schweigens für die gesamte Nation einleitet – „zum Gedenken und als Mahnung anderer, niemals zu vergessen.“

Der GEDENKTAG FÜR DIE GEFALLENEN DER KRIEGE ISRAELS (JOM HAZIKARON) findet eine Woche später statt. Es ist ein Gedenktag für alle diejenigen, die in dem Kampf um die Gründung und Verteidigung des Staates Israel oder bei einem Terroranschlag ihr Leben verloren haben. Um acht Uhr abends und um elf Uhr vormittags werden bei Sirenenton jeweils zwei Schweigeminuten abgehalten. Die gesamte Nation hat Gelegenheit, sich daran zu erinnern, was sie in ewiger Dankbarkeit ihren Söhnen und Töchtern schuldet, die ihr Leben für die Unabhängigkeit und fortwährende Existenz des Staates gegeben haben.

Unmittelbar auf diesen Gedenktag folgt der UNABHÄNGIGKEITSTAG (JOM HAAZMAUTH) (5. Iyar), der Jahrestag der Proklamation der Gründung des Staates Israel am 14. Mai 1948. Der Unabhängigkeitstag ist kein jahrhundertealtes Fest. Er hat jedoch für unzählige Bürger, die selbst aktiv an der Gründung des neuen Staates teilgenommen und die gewaltigen Veränderungen seit 1948 erlebt haben, eine hohe Bedeutung.
Am Vorabend des Unabhängigkeitstages veranstalten die Stadtverwaltungen öffentliche Feiern, aus Lautsprechern ertönt unter freiem Himmel populäre Musik, die Stadtzentren sind von Menschenmassen bevölkert, die in festlicher Stimmung an dem großen Straßenfest teilnehmen.
Am Unabhängigkeitstag selbst unternehmen viele Bürger Ausflüge zu den Schlachtfeldern des Unabhängigkeitskrieges. Man besucht die Gedenkstätten der Gefallenen, wandert in der Natur und verbringt im allgemeinen den Tag im Freien bei Picknick und Grill.
Israel-Preise für hervorragende Leistungen auf den Gebieten der Literatur, der Künste und der Wissenschaften werden verliehen. Außerdem findet der Internationale Bibelwettbewerb für die jüdische Jugend statt. Militärbasen öffnen der interessierten Bevölkerung ihre Tore. Darüber hinaus finden Schaufliegen der Luftstreitkräfte und Vorführungen der Marine statt.

LAG B`OMER (18. Iyar), der 33. Tag der Wochenzählung zwischen Passahfest und Shavuot, ist ein Feiertag für Kinder. Es werden große Lagerfeuer entzündet, und man erinnert sich an die Ereignisse des Bar-Kochba-Aufstandes gegen Rom (132-135 n.d.Z.).

Der JERUSALEM-TAG (JOM JERUSCHALAIM) wird am 28. Iyar, ungefähr eine Woche vor Shavuot, gefeiert – anläßlich der Wiedervereinigung Jerusalems, der Hauptstadt Israels, im Jahre 1967 nach neunzehnjähriger Teilung der Stadt durch Betonmauern und Stacheldraht.

SCHAVUOTH, das letzte der drei Wallfahrtsfeste nach der Zählung vom Beginn des jüdischen Jahres, fällt in die siebente Woche nach dem Pessachfest (6. Sivan). Das fest markiert das Ende der Gersten- und den Beginn der Weizenernte. Die Thora (Lev. 23,22) beschreibt das Fest als Wochenfest (hebr. Schavuot) – wegen der Wochenzählung (Omer-Zählung)  zwischen Pessach und Shavuot – und als den Tag, an dem neues Getreide und neue Früchte an die Priester im Tempel übergeben wurden. Eine weitere Komponente von Schavuot – die Erinnerung an die Gabe der Thora auf dem Berge Sinai – ist rabbinischen Ursprungs. Schavuot wird von der orthodoxen Bevölkerung mit vielen Stunden kontinuierlichen religiösen Lernens und in Jerusalem mit einer festlichen Gebetsversammlung an der Klagemauer begangen. In den Kibbutzim bezeichnet Shavuot den Höhepunkt der Ernte des neuen Getreides und den ersten Reife von Früchten, darunter die sieben in der Bibel erwähnten Früchte des Heiligen Landes (Weizen, Gerste, Trauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln).

Der lange Sommer bis Rosch Haschana wird durch den NEUNTEN AV unterbrochen (Tischa be´Av, im Juli oder Anfang August). Der Tag erinnert an den Tag der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels. Am Neunten Av werden zahlreiche Trauergebräuche und die Vorschriften des Jom Kippur zu „Umkehr und Reue“, darunter ganztägiges Fasten, befolgt,

Viele ethnischen Gemeinschaften haben darüber hinaus ihre jeweils eigenen Feste. Zu den bekannteren gehört die Mimouna der marokkanischen Juden einen Tag nach Pessach zur Feier der Erneuerung der Natur und die Saharana der kurdischen Juden, ursprünglich der Nationalfeiertag der Juden Kurdistans, nach Sukkot. Hier wäre auch der Sigd-Feiertag der äthiopisch-jüdischen Gemeinschaft Mitte November zu nennen, ein Fest, das in Äthiopien die Sehnsucht nach Zion zum Ausdruck brachte. Heute wird es in Israel als Ausdruck des Dankes der Gemeinschaft weiterhin begangen.

In Übereinstimmung mit der mannigfaltigen Bevölkerung und den vielfältigen Lebensweisen und -haltungen feiert Israel den Zyklus der jüdischen Feste und Festgebräuche in einer öffentlichen Art und Weise, die die Jüdischkeit des Landes und seine Zentralität für das Judentum unterstreicht.