zum YOM HA Shoah (28.April 2014)

Photo: Joe Goldberg
Photo: Joe Goldberg

 

 

 

 

 

 

Jom Ha Shoah (auch Yom Ha Sho´a)

Gedenktag an die Opfer des Holocaust/ der Shoah. (eigentlich: „Yom Ha Shoah ve Hagevurah“ – Tag der Erinnerung an die Shoah und des Heldentums)

Ein erster öffentlicher Vorschlag einen (nicht religiösen, staatlichen) Gedenktag eigens für die Opfer der Shoah festzulegen stammte vom Knessetabgeordneten Rabbi Mordechai Nurock. Er begründete dies im Gegensatz zur Ansicht weiter Teile der Orthodoxie damit, der Shoah in ihrer Einmaligkeit zu gedenken. Als Datum wurde der Tag des Warschauer Ghettoaufstandes (19.April 1943) ins Auge gefasst, jedoch auf Rücksicht auf die Nähe, bzw. Überschneidung mit Pessach wieder verworfen.

Als Gedenktag an die Opfer der Shoah wurde von der Knesset am 21. April 1951 auf Vorschlag des Staatspräsidenten Jizchak Ben Tzwi und des Ministerpräsidenten David Ben Gurion nun der 27. Nisan des jüdischen Kalenders festgelegt und mittels eines Gesetzes 1959, welches auch den Ablauf festlegte, bestärkt.

Fällt dieser Tag auf einen Freitag oder Samstag, wird er auf den Donnerstag vorgezogen, fällt er auf einen Sonntag, wird er auf den nächstfolgenden Montag verschoben

2014 fällt dieses Datum daher auf den (Montag) 28. April des gregorianischen Kalenders.

Traditionell beginnen Gedenktage und Feiertage am Vorabend des bestimmten Datums und dauern bis zum Abend des nächsten Tages.

Am Abend des 27. April 2014 werden in Yad Vashem in Jerusalem durch Shoahüberlebende feierlich sechs Fackeln entzündet. Diese stehen symbolisch für die 6 Millionen jüdischen Opfer des Holocaust.

Der nächste Morgen beginnt mit Gedenkveranstaltungen in Yad Vashem. Um 10 Uhr heulen landesweit die Sirenen. Die Arbeit wird eingestellt, Autofahrer bleiben stehen, Busfahrer unterbrechen ihre Fahrt, Fussgänger halten ein und verharren 2 Minuten regungslos im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Sämtliche Fahnen stehen auf Halbmast.

Viele öffentliche Einrichtungen in Israel sind an diesem Tage geschlossen. Im Fernsehen sind zahlreiche Dokumentationen zur Shoah und Übertragungen der Gedenkfeiern zu sehen, die Radiosender spielen Trauermusik.

Auch in Europa finden, meist in Konzentrationslagern, vor allem in Auschwitz („Marsch der Lebenden“), Gedenkveranstaltungen statt.

(tem)

Wagner in Israel

Die Universität Tel Aviv hat beschlossen, das ursprünglich für diesen Monat geplante Wagner-Konzert abzusagen. Hierzu ein Kommentar von Yossi Beilin.

„Es eilt nicht“
Von Yossi Beilin

Mitte des Monats sollte bei uns zum ersten Mal ein Konzert mit Werken Richard Wagners stattfinden. Nicht nur ein kurzes Stück als Teil der Zugabe wie bei Daniel Barenboim, sondern ganz offen, ohne Kompromisse: Ein ganzes Konzert nur Wagner.
Das Konzert sollte nicht aus öffentlichen Geldern finanziert werden, damit niemand irgendeine öffentliche Institution hätte beschuldigen können, eine so umstrittene Veranstaltung zu finanzieren. Daher ist alles ganz privat und spendenfinanziert.
Wäre mein Vater noch am Leben, wäre er außer sich vor Wut. Ich weiß nicht, ob er sich mit einem Schild vor den Konzertsaal gestellt hätte, weil er in seinem Leben niemals an einer Demonstration teilgenommen hat, aber er hätte so etwas niemals akzeptiert.
Er war kein Holocaust-Überlebender, da er schon lange vor der Shoah nach Eretz Israel ausgewandert ist, doch die meisten seiner Familienangehörigen sind in der Shoah umgekommen. Er hat sich geweigert, Deutschland zu besuchen, hat niemals ein Wort Deutsch gesprochen, obwohl er die Sprache hervorragend beherrschte und kaufte keine deutschen Produkte. Die Musik Wagners war für ihn treife, unrein.

Ich habe nie geglaubt, dass die jüdische Rache dafür, was uns die Nazis angetan haben, im Boykott Deutschlands liegt, das auf den Trümmern des fanatischen Hitler-Regimes gegründet wurde. Ich habe Deutschland besucht, habe deutsche Produkte gekauft, und ich mag die Musik Wagners. Manchmal ist sie vielleicht ein wenig zu pompös, doch sie ist atemberaubend und der Komponist offensichtlich ein Genie.

Gerne würde ich glauben, dass das Monster nur auf das Gebiet Deutschlands begrenzt war und dass ein Boykott deutscher Produkte ausreichen würde, damit es nie wieder aufersteht. Leider ist das in meinen Augen naiv und eine zu leichte Lösung.

Wagner war einer der größten Antisemiten der modernen Geschichte. Er hat Juden nicht „einfach nur so“ gehasst, er hat sich auch systematisch mit dem Thema auseinandergesetzt und darüber geschrieben, vor allem in seinem schrecklichen Aufsatz „Das Judenthum in der Musik“ von 1850. Ein jüdischer Einfluss auf die deutsche Kultur war in seinen Augen eine Katastrophe. Hitler hat von Wagner Inspirationen erhalten, und seine Musik hat mehr als einmal Juden in den Tod begleitet. Aus diesem Grund erschaudern noch heute viele Holocaust-Überlebende, und nicht nur sie, wenn sie seine Musik hören und sind nachdrücklich gegen ihre Aufführung.

Ich würde diese Ablehnung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Die Frage ist nicht die Finanzierung. Die Frage ist, ob ein solches Konzert angemessen ist, solange es Menschen gibt, bei denen diese Musik solch heftige Emotionen hervorruft. Schließlich kann man diese Emotionen nicht mit einer Handbewegung beiseite wischen.
Hinzu kommt, dass, wer Wagner wirklich so sehr liebt, seine Musik nicht nur bei jeder Auslandsreise im Konzertsaal hören kann, sondern auch im Fernsehen, im Radio und auf CD.
Es geht hier nicht um Prinzipien oder Ideologie, während andere uns das Maul stopfen wollen. Der Widerstand gegen eine Aufführung ist emotionell bedingt, und es sieht so aus, als sei sie damit einfach überflüssig.

Wer Wagner in Tel Aviv aufführt, trägt damit nichts zur Meinungsfreiheit, zu universellen Werten und zu den Rechten des Einzelnen bei. Er läuft Gefahr, ohne Not guten Menschen sehr wehzutun, auch wenn er diesen Schmerz für nicht gerechtfertigt hält.

Diese Aufführung kann man ruhig noch um 20 Jahre verschieben. Es eilt nicht.       Israel ha-Yom

Wiesenthal Center veröffentlicht drei neue Namen von Naziverbrechern

Das Simon Wiesenthal Center hat erklärt, es habe der Liste der zehn am meisten gesuchten Naziverbrecher drei neue Namen hinzugefügt. Einer der drei lebt in Ungarn, die beiden anderen in Kanada. Kanada sei dabei gescheitert, gesuchte Nationalsozialisten auf seinem Gebiet zur Rechenschaft zu ziehen, erklärte das Zentrum.

Die beiden Verdächtigen in Kanada sind Vladimir Katriuk, der der Kommandant einer ukrainischen Armeeeinheit gewesen sein soll, die Massenmorde in Weißrussland durchgeführt hat und Helmut Oberlander, mutmaßliches Mitglied der „Einsatzgruppen“, die in der Süd-Ukraine zahlreiche Juden ermordeten.
Beide waren nach dem Krieg nach Kanada geflohen und hatten die kanadische Staatsbürgerschaft inne. Nach dem Bekanntwerden ihrer jeweiligen Verwicklung in den Nationalsozialismus wurde beiden die Staatsbürgerschaft in der Vergangenheit entzogen, jedoch später wieder zurückgegeben, Oberlander sogar mehrmals.

Auch der dritte Mann auf der Liste, Laszlo Csatary, war nach dem Krieg zunächst nach Kanada geflohen. Er soll 1944 in der ungarisch besetzten Slowakei für  die Deportation von 15.700 Juden in das Konzentrationslager Auschwitz verantwortlich gewesen sein. Auch ihm wurde 1997 die kanadische Staatsbürgerschaft aberkannt, er ist damals ausgereist und lebt seitdem in Ungarn.

Efraim Zuroff, Leiter des Zentrums in Israel, erklärte, in den letzten 11 Jahren seien etwa 90 nationalsozialistische Kriegsverbrecher verurteilt worden. „Auch wenn die vorherrschende Annahme ist, es sei zu spät, Naziverbrecher der Gerechtigkeit zuzuführen, beweisen die Zahlen das Gegenteil“, so Zuroff.  Haaretz

„Noch lesen wir Aufrufe zum Judenmord in der Zeitung, nicht nur im Geschichtsbuch“

„An diesem Tag, wenn unsere ganze Nation sich versammelt, um der Schrecken der Shoah und der sechs Millionen Juden zu gedenken, die ermordet wurden, müssen wir unsere heiligste Verpflichtung erfüllen. Diese Verpflichtung ist nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern. Sie ist gleichzeitig auch eine Verpflichtung, die Lehren aus ihr zu ziehen und, noch wichtiger, sie auf die Gegenwart anzuwenden, um die Zukunft unseres Volkes zu gewährleisten. […]
Dies gilt besonders für diese Generation- eine Generation, die einmal mehr mit Rufen zur Auslöschung des jüdischen Staates konfrontiert ist.
Ich hoffe, dass der Staat Israel eines Tages mit allen Ländern und Völkern in unserer Region in Frieden leben wird. Eines Tages werden wir, so hoffe ich, über diese Aufrufe, die Juden zu vernichten, nur in den Geschichtsbüchern lesen und nicht in der Zeitung. Doch dieser Tag ist noch nicht gekommen.
Heute ruft das iranische Regime offen zu unserer Vernichtung auf und arbeitet entschieden daran, das wahr werden zu lassen.“
Ausschnitte aus Rede von Ministerpräsident Binyamin Netanyahu/AM

Le Olam lo od – Nie wieder!

Yom HaShoah - Die Fahnen wehen auf Halbmast

Jom Haschoah – Holocaust-Gedenktag in Israel

Nach jüdischer Tradition beginnt der Tag mit Sonnenuntergang am 27. Nissan des jüdischen Kalenders und endet am folgenden Abend. Ursprünglich wurde als Datum der 14. Nissan vorgeschlagen, das Datum des Aufstandes im Warschauer Ghetto (19. April 1943), dies wurde aber schließlich verworfen, da dies nur einen Tag vor dem Pessach-Fest ist. Das jetzige Datum liegt genau acht Tage vor Jom haAtzma’ut, dem israelischen Unabhängigkeitstag.

Jom haScho’a wurde unter David Ben Gurion und Jitzchak Ben Tzwi 1951 eingeführt und 1959 per Gesetz verabschiedet. Seit 1989 werden im israelischen Parlament (in Kooperation mit Yad Vashem) unter dem Motto „Jeder Mensch hat einen Namen“ die Namen von Opfern der Judenvernichtung verlesen

Zur Eröffnungszeremonie am Abend werden sechs Fackeln entzündet, die symbolisch für die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust stehen. Der nächste Morgen beginnt mit Gedenkveranstaltungen in Yad Vashem. Im gesamten Land heulen am 19. April 2012, um 10 Uhr für zwei Minuten die Sirenen. Der öffentliche Nahverkehr und auch alle anderen Fahrzeuge halten an, die meisten Passanten bleiben schweigend stehen.

Während Jom haScho’a sind sehr viele öffentliche Einrichtungen in Israel geschlossen, im Fernsehen und Radio laufen keine Unterhaltungssendungen, sondern Trauermusik oder Dokumentationen zum Holocaust. Alle Fahnen wehen auf Halbmast.

Heute leben noch etwa 200.000 Überlebende des Holocaust in Israel, etwa 70.000 davon waren in Konzentrationslagern und Ghettos.