Viele israelische Araber wählen jüdische Parteien

von Aviel Schneider/Israel heute

Die arabische Bevölkerung Israels, 1,6 Mio. an der Zahl, ist frustriert und scheint das Interesse an den Wahlen verloren zu haben. „Wir sind verzweifelt. Jedes Mal wenn wir unsere arabischen Vertreter in das israelische Parlament schicken, kümmern sie sich nur um die Palästinenser (in den Autonomiegebieten), nicht aber um die arabischen Bürger Israels“, sagte Dschamal Chadsch aus der arabischen Stadt Tamara der israelischen Tageszeitung Maariv.

Der Kioskinhaber Mussa Abu Lah aus der arabischen Stadt Schefaram sagte derselben Zeitung, dass sich die arabischen Knessetabgeordneten nicht um die arabische Bevölkerung Israels kümmere. „Weder Ahmed Tibi noch Hanin Zoabi interessieren sich für uns. Die helfen nur sich selbst, nicht uns!“ Die Gleichgültigkeit innerhalb der arabischen Bevölkerung wächst und schadet der Demokratie.

Während der letzten Wahlen im Jahr 2009 haben von den 950.000 wahlberechtigten Arabern in Israel nur 50% von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, davon wählten auch nur 60% (300.000) arabische Knessetabgeordnete. 40% der arabischen Bürger Israels haben jüdische Parteien gewählt und dies weist darauf hin, dass die arabische Bevölkerung den arabischen Politikern kein Vertrauen schenkt. An den bevorstehenden Wahlen werden nun noch weniger Araber teilnehmen.

In fast allen Privatgesprächen mit Arabern in Israel ist ihre Desillusionierung über ihre Politiker herauszuhören. „Immer wieder werden wir enttäuscht“, erklärte Chadsch. „Anstatt der arabischen Gesellschaft in Israel beizustehen, kämpfen sie in der Knesset den palästinensischen Befreiungskampf. Dafür hat sie keiner gewählt. Nach dem Sturmwetter im Land wurden die Landwirtschaftler im Süden wegen der Naturkatastrophe zum Teil bereits entschädigt. Bei uns im Norden hat sich noch nichts getan und weshalb, weil sich keiner unser arabischen Abgeordneten für uns einsetzt.“

Der arabische Rechtsanwalt Sami Abu Warda aus Haifa sehnt sich nach dem ermordeten Ministerpräsidenten Itzchak Rabin. „Damals unter Rabin fühlten wir uns mehr zum Staat Israel hingezogen. Ich wie auch andere Araber wählen jüdische Parteien wie die linke Meretz.“

Auch Mohammed Seipha aus Akko erklärt laut und deutlich, dass er für keine arabische Partei wählen wird. „Fünf oder sechs arabische Parteien kämpfen nicht um unsere Wählerstimmen, sondern darum, Chaled Maschal (Hamas-Chef) und Mahmud Abbas (Fatah-Chef) zu gefallen. Ich so wie viele meiner Freunde und Verwandten wählen einfach keine arabische Parteien!“

Laut dem arabischen Rechtsanwalt Fuad Hatib haben Israels Araber die Nase voll von den arabischen Knessetabgeordneten. „Arabische Politiker dienen in der israelischen Knesset bereits über 10 Jahre und nichts haben sie geleistet! An erster Stelle auf ihrer Tagesordnung sollte das sozioökonomische Wohlergehen der israelischen Araber stehen und das Palästinenserproblem erst ab sechster Stelle! Nur so werden mehr Araber wieder ermutigt, zu wählen.“

Die kritischen Stimmen arabischer Politiker, die gerne im Ausland zu hören sind, vertreten nicht die arabische Bevölkerung, die im Staat Israel lebt. Es stimmt, ein Großteil sieht sich mit seinen palästinensischen Geschwistern in den Autonomiegebieten als ein Volk. Aber auf der anderen Seite haben sie auch Augen im Kopf und sehen, was in Israels Nachbarstaaten, in den arabischen Ländern vorgeht. Das Leben als Araber im Judenstaat Israel ist viel besser als in den arabischen Nachbarstaaten.

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