ÖIG: Israels Recht zur Selbstverteidigung ist unantastbar

Raketenangriffe auf Israel müssen gestoppt werden

 

Wien (OTS) – Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft verurteilt die Raketenangriffe aus Gaza auf die israelische Zivilbevölkerung. In den letzten Tagen eskalierten die Angriffe mit immer höherer Reichweite bis in den Norden von Tel Aviv und Jerusalem. Die Raketenangriffe gefährden Millionen jüdische, arabische und sonstige Bürger Israels. „Terrororganisationen wie die Hamas oder Islamischer Dschihad nehmen, vom Iran gesponsert, seit vielen Jahren wahllos israelische Zivilisten ins Visier. Dabei verschanzen sie sich hinter palästinensischen Zivilisten als ‚menschliche Schutzschilder‘ und gefährden so auch deren Leben. Jede einzelne dieser Raketen ist daher ein Kriegsverbrechen. Ich rufe Außenminister Kurz auf, diese Angriffe eindeutig als solche zu verurteilen“, so ÖIG-Präsident Richard Schmitz. „Eine friedliche Lösung des Konflikts ist nur bei einer Entwaffnung der Terrorgruppen möglich. Israels Maßnahmen zur Selbstverteidigung zum Schutz seiner Bürger sind legitim und notwendig. Auch die ÖIG wünscht den Bürgern der Region Frieden. Doch sind dazu für Israel verlässliche Vertragspartner notwendig. Die Terror-Hamas beweist, dass sie kein akzeptabler Vertragspartner ist.“

Die ÖIG appelliert zudem an die österreichischen Medien, sachlich über die aktuellen Entwicklungen zu berichten: „Die Bezeichnung von Terroristen als ‚Militante‘ oder ‚Aktivisten‘ ist eine grobe Verharmlosung und verzerrt die Tatsachen. Sowohl Hamas als auch Islamsicher Dschihad sind von der EU als Terrororganisationen eingestuft. Das sollte in einer fairen Berichterstattung reflektiert werden,“ fordert Schmitz abschließend.

(9.7.2014)

ÖIG zu den Morden der Hamas an drei Jugendlichen

Mit Bestürzung und Entsetzen reagiert die Österreichisch-Israelische Gesellschaft auf die Nachricht von den mutmasslich von Hamasterroristen entführten und ermordeten drei Jugendlichen.
Die Reaktion offizieller Funktionäre der Hamas und der zeitgleich einsetzende Raketenterror zeigen wieder einmal, dass mit diesem – zu Recht von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuften – Ableger der Muslimbruderschaft ein Friede nicht möglich ist.
Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft fordert die österreichischen politischen Entscheidungsträger auf, alles in ihrer Macht stehende zu unternehmen und ihre Kontakte zu palästinensischen Parteien und Gruppierungen, die auf Frieden und Verständigung mit dem Staat und den Bewohnern Israels hinarbeiten, zu nutzen, deren Anstrengungen die Mörder zu finden, zu unterstützen.

Presseaussendung der ÖIG

Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft (ÖIG) schließt sich den Reaktionen die weltweit die Freilassung der 3 entführten Jugendlichen fordert, an.

Die Geiselnahme von wehrlosen Schülern gehört wohl zu den niederträchtigsten Verbrechen, die man sich vorstellen kann erklärte der Präsident der ÖIG Dr. Richard Schmitz. Dass sich Präs. Abbas der Freilassungsforderung angeschlossen hat, genügt wohl nicht. Er ist aufgerufen aktiv die Umstände zu klären und die Freilassung aktiv voranzutreiben.
(Juni 2014)

Zum Anschlag im Jüdischen Museum in Brüssel vom 24.Mai 2014

Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft fühlt mit den Angehörigen der Opfer des Anschlages im Jüdischen Museum Brüssel  und stellt sich vehement gegen jede Form des Antisemitismus.
Die österreichisch- israelische Gesellschaft ist gegen jegliche Dämonisierung Israels in europäischen Institutionen, gegen einseitige Sanktionsdrohungen und Boykottaufrufe und antijüdische Hetze in Medien innerhalb und ausserhalb Europas. Politische Auseinandersetzungen im Nahen Osten sollten auf friedliche Weise vor Ort verhandelt werden.

Zum Yom ha Zikaron – (Montag, 5. Mai 2014 – 4. Ijjar 5774)

Der „Yom ha Zikaron“ – ist ein nationaler Gedenktag für die gefallenen Soldaten und Opfer von Terrorismus.

Seit dem Jahre 1963 begeht Israel  am 4. des Monats Ijjar, einen Tag vor dem Unabhängigkeitstag, einen Nationalen Gedenktag  für die fast 20.000 Menschen, die seit der Erringung der Unabhängigkeit entweder durch kriegerische Akte oder Terrorismus ihr Leben lassen mussten.

Der Gedenktag beginnt am Abend zuvor um 20 Uhr mit einem einminütigen Signalton der Sirenen. Der offizielle Staatsakt findet an der Klagemauer in Jerusalem statt. Die Fahnen werden auf Halbmast gesetzt.

Um elf Uhr des Gedenktages werden, nach einem zweiminütigen Sirenenton, die Feierlichkeiten, meist privater Natur, auf Friedhöfen, wo die Angehörigen ihrer Toten gedenken, fortgesetzt..

Der Gedenktag für die gefallenen Soldaten geht am Abend in die Feierlichkeiten zum Yom ha Atzma`ut über, die traditionellerweise am Herzberg in Jerusalem beginnen.

Vor dem Jahr 1963 wurden der „Yom ha Zikaron“ und der „Yom ha Atzma´ut“ an einem Tage abgehalten, jedoch auf Anraten einer staatlichen Kommission später geteilt, um dem Unabhängigkeitstag in Freude begehen zu können, – nicht ohne am Vortag derer zu gedenken, die diese Feier maßgeblich durch ihren Einsatz möglich gemacht haben.

(tem)

zum YOM HA Shoah (28.April 2014)

Photo: Joe Goldberg
Photo: Joe Goldberg

 

 

 

 

 

 

Jom Ha Shoah (auch Yom Ha Sho´a)

Gedenktag an die Opfer des Holocaust/ der Shoah. (eigentlich: „Yom Ha Shoah ve Hagevurah“ – Tag der Erinnerung an die Shoah und des Heldentums)

Ein erster öffentlicher Vorschlag einen (nicht religiösen, staatlichen) Gedenktag eigens für die Opfer der Shoah festzulegen stammte vom Knessetabgeordneten Rabbi Mordechai Nurock. Er begründete dies im Gegensatz zur Ansicht weiter Teile der Orthodoxie damit, der Shoah in ihrer Einmaligkeit zu gedenken. Als Datum wurde der Tag des Warschauer Ghettoaufstandes (19.April 1943) ins Auge gefasst, jedoch auf Rücksicht auf die Nähe, bzw. Überschneidung mit Pessach wieder verworfen.

Als Gedenktag an die Opfer der Shoah wurde von der Knesset am 21. April 1951 auf Vorschlag des Staatspräsidenten Jizchak Ben Tzwi und des Ministerpräsidenten David Ben Gurion nun der 27. Nisan des jüdischen Kalenders festgelegt und mittels eines Gesetzes 1959, welches auch den Ablauf festlegte, bestärkt.

Fällt dieser Tag auf einen Freitag oder Samstag, wird er auf den Donnerstag vorgezogen, fällt er auf einen Sonntag, wird er auf den nächstfolgenden Montag verschoben

2014 fällt dieses Datum daher auf den (Montag) 28. April des gregorianischen Kalenders.

Traditionell beginnen Gedenktage und Feiertage am Vorabend des bestimmten Datums und dauern bis zum Abend des nächsten Tages.

Am Abend des 27. April 2014 werden in Yad Vashem in Jerusalem durch Shoahüberlebende feierlich sechs Fackeln entzündet. Diese stehen symbolisch für die 6 Millionen jüdischen Opfer des Holocaust.

Der nächste Morgen beginnt mit Gedenkveranstaltungen in Yad Vashem. Um 10 Uhr heulen landesweit die Sirenen. Die Arbeit wird eingestellt, Autofahrer bleiben stehen, Busfahrer unterbrechen ihre Fahrt, Fussgänger halten ein und verharren 2 Minuten regungslos im Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.

Sämtliche Fahnen stehen auf Halbmast.

Viele öffentliche Einrichtungen in Israel sind an diesem Tage geschlossen. Im Fernsehen sind zahlreiche Dokumentationen zur Shoah und Übertragungen der Gedenkfeiern zu sehen, die Radiosender spielen Trauermusik.

Auch in Europa finden, meist in Konzentrationslagern, vor allem in Auschwitz („Marsch der Lebenden“), Gedenkveranstaltungen statt.

(tem)

PLO zwischen ISRAEL und HAMAS (Presseaussendung der ÖIG)

Die  Österreichisch-Israelische Gesellschaft (ÖIG) weist darauf hin, dass die Ankündigung Mahmud Abbas, sich mit der Hamas zu versöhnen, eine weitere Gefährdung der festgefahrenen Friedensverhandlungen mit Israel darstellen könnte.  Von Seiten der  Hamas, bzw. offiziellen Vertretern sind weder Aussagen noch Handlungen bekannt, sich von Theorie (vgl. Charta der Hamas 1988) und Praxis  des Terrors  zu distanzieren oder diesen zu unterbinden bzw. einen Frieden mit Israel auch nur anzudenken:

Eine Organisation, welche im Artikel 13 ihrer Charta  jegliche „friedliche Lösungen und  internationale Konferenzen zur Lösung der Palästinafrage als sämtlichst im Widerspruch zu den Auffassungen der Islamischen Widerstandsbewegung“ sieht und weiters wörtlich meint: . „… auf irgendeinen Teil Palästinas zu verzichten bedeutet, auf einen Teil der Religion zu verzichten“, bzw. „Initiativen, Vorschläge und Internationale Konferenzen als reine Zeitverschwendung“ ansieht und in ihrem Artikel 32 die „Protokolle der Weisen von Zion“  als Tatsachenbericht ansieht, kann mit dieser Einstellung keinen Verhandlungspartner, weder für Israel noch für die Internationale Staatengemeinschaft darstellen.

 

Die ÖIG apelliert daher an den Aussenminister Sebastian Kurz, der sich persönlich in den letzten Tagen in Jerusalem und Ramallah (aber nicht in Gaza) ein Bild der Lage verschaffen konnte, auf die PLO einzuwirken, dass die Terrororganisation HAMAS, vor einer Regierungsbeteiligung die minimalen Forderungen des internationalen Quartetts und der EU erfüllt: Gewaltverzicht, Anerkennung Israels und seiner Verträge mit der PLO .

(Österreichisch-Israelische Gesellschaft, Presseaussendung vom 25.04.2014)

24h Jerusalem von Arte

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 12. April 2014

ARTE hat mit dem BR eine Gemeinschaftsproduktion über Jerusalem vonSamstag bis Sonntag 24 Stunden lang ausgestrahlt: „24h Jerusalem“. Mit 70 Kamerateams, darunter 20 israelischen und 20 palästinensischen, wurden mit einem 2,4 Millionen Euro Budget insgesamt 90 Juden, Araber und Europäer interviewt und gefilmt. Dank ARTE erfährt man, dass fast alle Juden in der Stadt fromm bis ultraorthodox sind oder Uniform tragen, Palästinenser schikanieren oder mit abgerichteten Pferden niedertrampeln.

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Ansprache des Präsidenten des Staates Israel

anlässlich des Staatsbanketts, gegeben vom Bundespräsidenten der Republik Österreich, März 2014

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, lieber Heinz Fischer, sehr geehrte Frau Fischer, verehrte Gäste,

den Kaiserwalzer komponierte Johann Strauss Sohn zu Ehren eines Zusammentreffens zwischen zwei Staatsoberhäuptern; Anlass war der Besuch des österreichischen Kaisers Franz-Josef bei Kaiser Wilhelm II. in Deutschland. Weiterlesen

Anton Pelinka: ÖSTERREICH – ISRAEL

Vortrag, 1.Dezember 2013

Österreichisch-Israelische Gesellschaft

Die Beziehungen zwischen Israel und Österreich sind nicht so, wie die Beziehungen zwischen zwei annähernd gleich großen Staaten in relativ weit entfernten Regionen sein könnten. Die österreichisch-israelischen Beziehungen sind kompliziert – belastet von einer Geschichte, die höchst unterschiedlich interpretiert wird und aus der auch höchst unterschiedliche Konsequenzen gezogen werden. Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten und, mehr noch, den beiden Gesellschaften – also den Menschen, die in den beiden Staaten leben – entsprechen nicht dem, was man einen „mainstream“ nennen könnte; einer Normalität, die zwischen Staaten herrscht, die miteinander keine unmittelbar brennenden Konflikte haben. Österreichs Beziehungen mit Neuseeland sind normal – Österreichs Beziehungen mit Israel und Israels Beziehungen mit Österreich sind in diesem Sinne nicht im „mainstream“.

Dass die Beziehungen – trotz aller diplomatischen Normalität – nicht normal sind, das hat seine guten und das hat seine schlechten Seiten. Gut ist, dass das Verbindende der Geschichte eine Verantwortlichkeit begründet, die nach langem, Jahrzehnte währendem Zögern auch von österreichischer Seite quasi offiziell akzeptiert wird.

Gut ist, dass die kulturellen Verbindungen, entstanden durch Emigration, Flucht und Vertreibung von Menschen aus Österreich weiter wirken – im Sinne kultureller, wissenschaftlicher, humanitärer, wirtschaftlicher Zusammenarbeit.

Schlecht ist, dass es einer auf den ersten Blick nicht nachvollziehbare Neigung zum Moralisieren gibt, von der die Beziehungen belastet werden. Und diese Neigung gibt es auf beiden Seiten – wenn sie auch auf der österreichischen Seite geradezu bizarre, höchst irrationale, politisch sehr unerfreuliche Aspekte angenommen hat.

Israel ist für Österreich kein normaler Staat. Israel ist der Staat, der ohne den Holocaust nicht vorstellbar wäre. Israel ist der Staat, der auch von Österreicherinnen und Österreichern mitgestaltet wurde. Dass diese auch und wesentlich vom Judenhass anderer Österreicherinnen und Österreicher vertrieben waren, begründet eine eigenartige Überreaktion von österreichischer Seite. Diese Überreaktion führt dazu, dass Israel, dass die israelische Gesellschaft und Politik an intellektuell unhaltbaren, intellektuell nicht nachvollziehbaren Maßstäben gemessen und moralisch beurteilt werden.

Wäre Israel für Österreich ein Normalstaat, dann wäre es selbstverständlich, dass konkrete Kritik an bestimmten Maßnahmen der israelischen Regierung oder an Befindlichkeiten der israelischen Gesellschaft sich nicht ständig um den Nachweis bemühen müssten, nicht von antijüdischen, antisemitischen Motiven geleitet zu sein. Und, vor allem: Wäre Israel für Österreich ein Staat wie alle anderen auch, würde dieser Staat von österreichischer Seite nicht mit einer beckmesserischen Peinlichkeit einer Kritik unterzogen werden, deren Maßstäbe für andere Staaten dieser Region, ja dieser Welt so nicht gelten.

Wäre Österreich für Israel ein Normalstaat, dann hätte die Wahl Kurt Waldheims zum Bundespräsidenten, 1986, zu keinem diplomatischen Boykott führen müssen: Was kümmert es Israel, wer Präsident von Peru ist, welche moralisch-ethischen Schwachpunkte in der Vergangenheit dieses Präsidenten existieren, die zu kritisieren wären? Wäre Österreich für Israel ein Normalstaat, dann müsste die Einbindung einer rechtsextremen und fremdenfeindlichen Partei in die Regierung nicht der Anlass für eine abermalige diplomatische Eiszeit sein – wie zwischen 2000 und 2006. Wenn in Norwegen eine solche Partei den Regierungskurs mitbestimmt, dann reagiert Israel anders als wenn dies in Österreich der Fall ist.

Und das ist natürlich erklärbar. In der Geschichte Perus ist nichts von einer Verfolgung von Juden bekannt, einer Verfolgung, die zur Zeit des spanischen Kolonialreiches über die antijüdischen Maßnahmen der spanischen Könige hinausgegangen wäre oder die zu antijüdischen Maßnahmen im nachkolonialen Peru geführt hätte. Die Verfolgung, Beraubung, Vertreibung, Vernichtung des österreichischen Judentums erklärt die besondere Sensibilität Israels in Sachen Österreich. Und Norwegen? Das Land kann sich, anders als Österreich, auch heute überzeugend als Opfer des nationalsozialistischen Deutschland sehen – eine Sichtweise, die Österreich für seine Rolle zwischen 1938 und 1945 (vertreten durch Franz Vranitzky, Thomas Klestil und andere Repräsentanten) spät, aber doch aufgab, aufzugeben hatte.

Kritik an Israel ist legitim. Israel ist, gerade wenn man sich bemüht, Israel als Normalstaat zu sehen, nicht frei von Fehlentwicklungen; Israel steht nicht über der internationalen Kritik. Aber in Österreich wird Israel an Maßstäben gemessen, die nur für Israel zu gelten scheinen. Demokratiedefizite in Israel?  Darüber kann, darüber muss gesprochen werden. Aber dann muss auch erwähnt werden, dass arabische Bürgerinnen und Bürger des Staates Israel – etwa in Nazareth – mehr demokratische Freiheiten genießen können als in fast allen anderen Staaten des arabischen Raumes. Die durchaus problematische Besatzungspolitik Israels auf der Westbank, die vor allem als Hindernis auf dem Weg zu einer Zweistaatenlösung kritisiert werden kann und wohl auch kritisiert werden soll? Aber wie steht es mit einer kritischen Betrachtung der skandalösen Menschenrechtssituation in Saudi-Arabien? Und: Gewaltsame Übergriffe israelischer Organe in den besetzten Gebieten und Militärschläge gegen den Gaza-Streifen? Bei einer kritischen Analyse wird in einer nicht zufälligen Art und Weise gerne ignoriert, dass die mit Abstand größte Zahl der Gewaltopfer im Nahen Osten Menschen arabischer Identität sind, die von Arabern getötet werden.

Der Frieden im Nahen Osten wird vor allem und zuallererst von einer mörderischen Gewalt zwischen Arabern verletzt – und das nicht erst seit dem Ausbruch des Bürgerkrieges in Syrien. Doch tote Araber werden nur zu oft erst dann zum Skandal, wenn ihr Tod Juden zugeschrieben werden kann – wie auch tote Muslime dann zum großen Thema werden, wenn die Verantwortung bei „den Amerikanern“ liegt.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für diese intellektuell und auch moralisch skandalöse Einseitigkeit lieferte vor einigen Jahren der Wiener Gemeinderat, als er die Toten auf den für Gaza bestimmten Schiffe – deren Tod bei einer nüchtern-kritischen Betrachtung durchaus einer verfehlen israelischen Taktik zugeschrieben werden muss – zum Anlass nahm, sich weltpolitisch zu profilieren. Der Wiener Gemeinderat, zu dessen Kompetenzen die Weltpolitik ausdrücklich nicht zählt, verurteile Israel – einstimmig, mit den Stimmen aller Parteien. Als ungefähr zur selben Zeit die nordkoreanischen Streitkräfte ein südkoreanisches

Schiff versenkten und jedenfalls mehr Menschen ums Leben kam als beim Angriff auf die Schiffe vor Gaza, da dachte niemand im Wiener Gemeinderat daran, eine weltpolitische Kompetenz zu beanspruchen. Weltpolitik macht der Wiener Gemeinderat nur, wenn es um Israel geht; und zwar dann, wenn es gegen Israel geht.

Woher kommt aber die Neigung – nicht nur, aber auch von österreichischer Seite – mit einer rational zunächst nichterklärbaren Einseitigkeit die Schuld für alles und jedes immer bei Israel zu suchen? Als katholisch sozialisiertem Menschen fällt mir hier natürlich zuerst ein: „schlechtes Gewissen“. Dass auch und gerade Menschen Israel an ganz spezifischen Standards messen, die nur für den Staat der Juden gelten; Menschen, die nie daran dächten, den Holocaust zu leugnen; auch und gerade Österreicherinnen und Österreicher, die Kurt Waldheim wegen seiner zwielichtigen Rolle im Nationalsozialismus als Bundespräsidenten ablehnten; politisch Interessiere, die sich energisch und schließlich erfolgreich gegen die ursprüngliche Haltung der Zweiten Republik zur Wehr setzten, Österreich als „erstes Opfer“ von jeder Verantwortung für die Verbrechen des NS-Regimes freizusprechen – dass also hierzulande gerade Menschen, die sich für aufgeklärt und fortschrittlich, für international solidarisch halten, Boykottaufrufe unterstützen, die sich gegen Israel richten – ohne jemals daran zu denken, analoge Aufrufe gegen die Volksrepublik China oder die Vereinigten Arabischen Emirate in die Wege zu leiten: Dieser „double standard“ gibt natürlich zu denken.

Es gibt den alten, bitteren Scherz, dass „die“ Deutschen oder „die“ Österreicher „den“ Juden und speziell dem jüdischen Staat den Holocaust nie verzeihen werden. Dieser böse Scherz beinhaltet eine tiefe Einsicht: Die Schuld, die – vermeintlich – auch auf den Generationen der Nach- und der Nach-Nachgeborenen lastet, die ist zu groß. Das „Israel Bashing“, das einseitige Einschlagen auf Israel, ist eine Form des Abreagierens. Zu schwer lastet das Schuldgefühl auf so vielen, als dass sie nicht der Versuchung erlegen würden, eine irgendwie doch analoge Schuld bei denen zu suchen, die das jüdische Opfernarrativ lebendig halten.

Ist angesichts der verkrampften, der neurotischen, der irrationalen Entwicklungen im österreichisch-israelischen Verhältnis so etwas wie Optimismus möglich? Ja, unter gewissen Voraussetzungen, die vielleicht eintreten können, wenn den Nach-Nachgeborenen noch ein, zwei weitere Generationen folgen. Zu den Voraussetzungen zählt insbesondere, sich vom kollektiven Schulddenken zu befreien, vor allem dann, wenn es über Generationen vererbt wird. Schuld ist eine individuelle Kategorie. Kollektivschuld ist ein gefährlicher Nonsens, der über zwei Jahrtausende den christlich begründeten Judenhass begleitete. Schuld am Judenmord sind nicht „die Deutschen“ und nicht „die Österreicher“. Schuld hat keine Gesellschaft und auch keine ganze Generation. Eine Gesellschaft und eine Generation, die haben Verantwortung zu übernehmen.

Die Befreiung von einem kollektiven, Generationen übergreifenden Schulddenken würde auch die Neigung abbauen helfen, im Staat der Juden ein Ideal sehen zu wollen; und dann, wenn dieses Ideal, diese Perfektion nicht erreicht sind, dies als speziellen Vorwurf gegen Israel zu richten: Seht her, die Juden haben die Lektion nicht gelernt, die aus der Geschichte abzuleiten ist. Und da fließt etwas ein, was wieder einem anderen bösen Scherz gleicht: Warum sollen ausgerechnet und zuallererst die Juden in die Pflicht genommen werden, besondere Lehren aus dem Holocaust zu ziehen – warum die Juden und nicht die Radfahrer, oder – umgelegt auf unser Thema – die Österreicher oder die Europäer insgesamt?

Österreich hat eine Verantwortung: Verantwortung für die Beziehungen zu einem Staat, der nur deshalb und auch nur deshalb in diesem Raum existiert, weil der Antisemitismus die Assimilationsbereitschaft des europäischen Judentums nicht belohnt, sondern bestraft hat. Die Erfahrungen des Österreichers Theodor Herzl, der zum Zionisten wurde, weil er – am Beispiel des Dreyfus- Prozesses und anderer Fälle – die Erfahrung machen musste, dass sich der von seiner religiösen zu einer säkularen Dimension wandelnde Antisemitismus die Juden zwingt, anders zu sein; den Juden ein spezielles Anderssein aufzwingt, der sie – wie Dreyfus, der französische Offizier; wie Herzl, der österreichische Journalist – zu überwinden versucht hatten. Österreich hat, wie Europa, eine Verantwortung für das, was Jean Paul Sartre in seinem brillanten Essay beschrieben und analysiert hat: Es ist der Antisemitismus, der den Juden eine jüdische Identität jenseits ihres Religionsbekenntnisses gibt; es ist der Antisemitismus, der aus Juden eine Rasse konstruiert hat; und es ist der Antisemitismus, der zu Israel geführt hat – weil der europäische, weil der österreichische Antisemitismus zwingend einen Bedarf nach einem Fluchtland, nach einem Judenstaat hervorbringen musste.

In diesem Sinne gibt es eine europäische, gibt es eine österreichische Verantwortung für Israel. In diesem Sinne ist es aber auch falsch, ist es kontraproduktiv, auf Israel ein Perfektions- oder auch nur ein Wunschdenken zu projizieren. Israel ist grundsätzlich ein Staat wie andere auch – mit Erfolgen und Misserfolgen. Israel ist nicht perfekt – wie jede und jeder weiß, der die innerisraelischen Diskurse mitverfolgt: zwischen religiösen und säkularen, zwischen askenasischen und sephardischen Israelis, zwischen israelischen Feministinnen und israelischen Machos, ja, und auch zwischen jüdischen und arabischen Israelis. Israel ist pluralistisch und bunt und voll von Widersprüchen – Israel ist eben lebendig.

Unsinnig und gefährlich ist es, von den Nachfahren der Holocaust-Überlebenden zu erwarten, dass sie in besonderer Weise die Lehren des Menschheitsverbrechens, das Yehuda Bauer „erstmalig“ nennt – nicht einmalig, sondern erstmalig und damit wiederholbar –  dass also die Juden mehr als alle anderen beherzigen müssten, was zu beherzigen ist. Unsinnig und politisch gefährlich ist es, Israel nach Grundsätzen zu beurteilen, die nur für Israel gelten – und nicht für die anderen Staaten des Raumes auch: Gefährlich, weil dies auch als Freibrief  verstanden werden kann, ein unter europäischer, unter österreichischer Mithilfe dämonisiertes Israel die Legitimität abzusprechen. Gegen diese Dämonisierung Israels als prinzipiellen Unrechtsstaat sollte Österreichs Politik auftreten – und aufhören, sich mit antiisraelischer Beckmesserei zu beschäftigen.

Wenn ich mit einem optimistischen Ton schließen will und darf: Es besteht die Hoffnung, dass allmählich, schrittweise, in vielleicht zwei Generationen, Israel als Normalstaat wahrgenommen wird; dass die Beziehungen zwischen zwei kleinen bis mittelgroßen demokratischen Staaten sich allmählich, schrittweise einem politisch-diplomatischen „mainstream“ zuordnen lassen werden; dass das aber nicht das Ende des so lebendigen kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und humanitären Beziehungsgeflechts bedeutet, das sich zwischen Israel und Österreich entwickelt hat.

Sparmaßnahmen

Der Frieden in Nahost ist vorläufig gerettet und die UNO funktioniert wieder, dank der Fidschi-Inseln im Pazifik. Nachdem Österreicher, Japaner und Philippinos die Golan-Höhen in Stich gelassen hatten, schickten die Fidschis 182 Mann auf die Golanhöhen, um dort die Überwachung des seit 1974 geltenden Entflechtungsabkommens zwischen Israel und Syrien zu übernehmen. Jene UNDOF Truppen sind der einzige Kommunikationskanal zwischen Syrien und Israel.

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Peres feiert Geburtstag

SHIMON PERES FOTO:MICHAEL THAIDIGSMANN
SHIMON PERES FOTO:MICHAEL THAIDIGSMANN

Staatspräsident Shimon Peres wird erst im August 90, feierte aber schon im Juni im Auftakt zur kürzlich abgehaltenen Präsidentenkonferenz. Unter den Gratulanten waren die Ex-Präsidenten Bill Clinton und Michail Gorbatschow, der britische Ex-Premier Tony Blair, Stars wie Sharon Stone, Robert De Niro und weitere 5.000 internationale Gäste. Barbra Streisand gab ein Konzert.

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Jom haZikaron

Jom HAzikaron 2013Jom haZikaron,  „Gedenktag an die gefallenen israelischen Soldaten und Opfer des Terrorismus“, ist ein israelischer Nationalfeiertag.

Jom haZikaron wird am 4. des Monats Ijjar nach jüdischem Kalender abgehalten, immer den Feierlichkeiten des israelischen Unabhängigkeitstages, am 5. Ijjar, vorausgehend. An diesem Tag wurde im Jahre 1948 die Unabhängigkeit Israels proklamiert. Beide Feiertage werden um einen Tag vorverlegt (auf den 3. und 4. Ijjar), wenn der 5. auf einen Samstag, den jüdischen Schabbat, fällt; wenn der 4. auf einen Sonntag fällt, finden die beiden Feiertage am 5. und 6. statt.

Dieser Feiertag ehrt alle Veteranen und gefallenes Militärpersonal der Israelischen Armee, welches im modernen Nahostkonflikt gestorben sind. Am Jom haZikaron wird auch der Zivilisten gedacht, die dem palästinensischen Terrorismus zum Opfer gefallen sind.

Der Tag schließt viele nationale Feierlichkeiten für gefallene Soldaten, an welchen hohe Staatsbeamte und Militäroffiziere teilnehmen, ein. Der Tag beginnt am Vorabend um 20 Uhr (nach dem jüdischen Kalender beginnen die Tage mit dem Sonnenuntergang) mit dem einminütigen Signalton einer Sirene. Während dieser Minute verharren die meisten Israelis in Ruhe, gedenken der Opfer und zeigen ihren Respekt. Viele national-religiöse (religiös-zionistische) Juden beten für die Seelen der gefallenen Soldaten in dieser Minute. Ein offizieller Akt, der den Tag einläutet, findet an der Klagemauer in Jerusalem statt. Bei diesem Akt wird die israelische Fahne auf Halbmast heruntergehisst.

Ein zweiminütiges Sirenläuten erklingt am folgenden Morgen um 11 Uhr, welches die Eröffnung der offiziellen Gedenkveranstaltungen und privaten Erinnerungsversammlungen, meist auf den Friedhöfen, auf denen Soldaten begraben sind, kenntlich macht. Der Tag neigt sich zwischen 19 und 20 Uhr dem Ende zu und geht über in die Feierlichkeiten des Jom haAtzma’ut auf dem Herzlberg, auf welchem die israelische Fahne wieder ganz gehisst wird.

Den Gedenktag genau vor dem Unabhängigkeitstag zu feiern, soll die Menschen daran erinnern, welcher Preis für die Unabhängigkeit bezahlt werden musste und was durch das Opfer der Soldaten erreicht wurde. Dieser Übergang zeigt die Wichtigkeit dieses Tages für die Israelis, von denen viele, wenn nicht sogar die Meisten, in der Armee gedient haben und in Verbindung stehen zu Leuten, die während ihrer Zeit beim Militär getötet wurden.

Historisch gesehen wurde das Datum ausgesucht, weil die Politiker während des ersten Jahres der Existenz Israels sich nicht auf ein Datum für den Gedenktag einigen konnten. Als das Jahr ohne eine Entscheidung zu Ende ging, wurde der Gedenktag am ersten Unabhängigkeitstag (1949) veranstaltet. Das gleiche geschah am 2. Unabhängigkeitstag 1950, aber durch die Zusammenlegung der Feiertage zeigten sich bald logistische und emotionale Probleme, so dass man auf Anraten einer öffentlichen Kommission den Gedenktag um einen Tag zurückverlegte. Diese Abmachung wurde 1963 zum Gesetz.

Gewisse Gruppierungen des ultraorthodoxen Judentums messen dem Tag keine spezielle Bedeutung bei, andererseits dienen einige von ihnen bei der Armee und feiern den Gedenktag.    wikipedia

 

Jom ha shoah

„Da war a Jud im Gemeindebau, a gewisser Tennenbaum. Sonst a netter Mensch. Da ham’s so Sachen gegen de Nazi g’schrieben auf de Trottoir .. und der Tennenbaum hat des aufwischen müssen. Net er allan, de anderen Juden eh aa… i hab ihm hingführt, dass ers aufwischt. Der Hausmeister hat glacht, er war immer bei a Hetz dabei.“
„Existenzen wurden damals aufgebaut, Gschäften arisiert. Häuser, Kinos! I hab nur an Juden g’führt. I war ein Opfer. Andere san reich worden; I war a Idealist.“ (Der Herr Karl)

 Yom_Hashoah_candle

Jom haScho’a, ist ein israelischer Nationalfeiertag und Gedenktag für die Opfer der Shoa  – aber ebenso auch für den jüdischen Widerstand und das Heldentum der jüdischen Untergrundkämpfer.

Das Datum des Jom haScho’a –  der 27. Nisan des jüdischen Kalenders – wurde unter David Ben Gurion und Jitzchak Ben Tzwi am 21. April 1951 von der Knesset festgesetzt. Im April 1959 wurde das Gesetz zum Gedenktag an Schoah und Heldentum  von der Knesset verabschiedet und zwei Jahre später noch einmal novelliert, wodurch der Tag seitdem den Charakter eines ernsten Feiertags hat.

Zur Eröffnungszeremonie am Vorabend des Jom haScho’a werden  sechs Fackeln entzündet, die symbolisch für die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust stehen. Der Morgen beginnt mit Gedenkveranstaltungen in Yad Vashem. Im gesamten Land heulen um 10 Uhr für zwei Minuten die Sirenen. Der öffentliche Nahverkehr und normalerweise auch alle anderen Fahrzeuge halten an, die meisten Passanten bleiben schweigend stehen. Zu Füßen der sechs Fackeln in Yad Vashem werden Kränze von Vertretern verschiedener Institutionen und Gruppen Überlebender niedergelegt.

Während Jom haSchoa sind sehr viele öffentliche Einrichtungen in Israel geschlossen, im Fernsehen und Radio laufen keine Unterhaltungssendungen, sondern Trauermusik oder Dokumentationen zum Holocaust. Alle Fahnen wehen auf Halbmast.

Am Jom haSchoa führen Tausende meist jugendliche Juden, insbesondere Studenten, eine Gedenkveranstaltung als Marsch vom KZ Auschwitz zum KZ Auschwitz-Birkenau durch. Dies wird mittlerweile als Marsch der Lebenden, in Bezug auf die Todesmärsche von KZ-Häftlingen, bezeichnet.

OeIG: Terror-Organisation Hamas eskaliert Gewalt in Gaza nun auch gegen UNO-Mitarbeiter

Forderung an österreichische Außenpolitik: keine österreichischen Steuergelder für palästinensische Gewalt

Wien (OTS) – Nach einer Reihe gewaltsamer Demonstrationen gegen Hilfszentren der UNO sowie der Stürmung einer ihrer Einrichtungen in
Gaza haben die Vereinten Nationen ihre Hilfsoperationen in Gaza mit sofortiger Wirkung suspendiert. Das berichtet BBC Worldservice in ihren heutigen Frühnachrichten.

Die UNO werfe der HAMAS vor, dass die Eskalation der Gewalt gezielt und geplant sei und verlangt von den palästinensischen Behörden, die Sicherheit der UN-Mitarbeiter zu gewährleisten.

Die Österreichisch-Israelische Gesellschaft sieht sich angesichts dieser Entwicklung in ihrer Haltung bestätigt, wonach die Terror-Organisation Hamas kein Partner für den Frieden ist und fordert die österreichische Bundesregierung ihre bisherige Appeasement-Politik gegenüber palästinensischer Gewalt zu überdenken:

 „Wenn nun sogar pro-palästinensische Hilfsorganisationen Ziel von Gewalt und Terror werden, muss auch am Ballhausplatz klar sein, dass
die Hamas kein Partner für den Frieden ist. Die bisherigen einseitig freundlichen Gesten der österreichischen Außenpolitik gegenüber dem
palästinensischen Terror haben keine Früchte getragen.

Wir fordern die österreichische Bundesregierung angesichts diese Entwicklung auf, die Hilfsmaßnahmen im Rahmen der EZA einzufrieren,
bis die Hamas auf Terror und Gewalt verzichtet und das Existenzrecht des Staates Israel bedingungslos anerkennt.“

Presseaussendund der ÖIG, 5.4.2013

Die Medien können nicht bis drei zählen

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 3. April 2013

Bei über 90.000 Toten in Syrien seit Beginn des Bürgerkriegs, über 6.000 allein in der vergangenen Woche, ist es für den deutschen Medienkonsumenten lebenswichtig, die genaue Zahl der von Hamas und Israel aufeinander geschossenen Raketen zu erfahren, auch wenn dabei niemand verletzt worden ist. Scud-Raketen auf die eigene Bevölkerung in Syrien zählt keine Nachrichtenagentur.

Die Darstellungen zu dem Raketenbeschuss „militanter Palästinenser“ und dem israelischen Luftangriff auf den Gazastreifen bezeugen die verdrehte Sicht des Kriegsgeschehens in deutschsprachigen Medien.

„Extremisten“ haben aus dem von der „radikal-islamischen Palästinenserorganisation Hamas kontrollierten Gebiet“ (so Spiegel und Welt) am Dienstag zwei Raketen auf den Süden Israels abgeschossen. Als Reaktion habe die israelische Luftwaffe erstmals seit dem Waffenstillstand im November 2012, je nach Quelle einen, mehrere oder drei Angriffe auf Ziele im Gazastreifen geflogen.

Spiegel titelt: „Gazastreifen: Israel und Hamas brechen den Waffenstillstand“. Die Chronologie hätte eigentlich eine umgekehrte Reihenfolge erfordert, also „Hamas und Israel“. Und wieso steht da „Gazastreifen“, obgleich doch Raketen in Israel einschlugen? Die Welt titelt: „Israelische Luftwaffe schlägt gegen Gaza zurück“. Die Hamas kommt nicht vor, und die Juden beweisen wieder ihre seit Martin Luther legendäre Rachsucht, gemäß dem biblischen Prinzip „Auge um Auge“. Das steht da nicht, aber wer sich mit Juden auskennt, weiß genau, was gemeint ist. n-tv.de titelt: „Israel reagiert auf Raketenbeschuss. Nahost-Waffenruhe gebrochen“ Wer nur Überschriften ließt, erfährt, dass Ufos Israel mit Raketen beschossen haben. Da Hamas nicht erwähnt wird, bleibt die Erkenntnis, dass allein Israel die „Nahost-Waffenruhe“ bricht, indem es reagiert. Auf die Spitze treibt es die schweizer NZZ: „Trotz Waffenruhe im Nahen Osten. Israel greift wieder Ziele in Gaza an“ Die bösen Israelis, ohne Grund, „trotz Waffenruhe“, also reine Kriegslust. Der erste Satz im dpa-Bericht dort: „Die israelische Luftwaffe hat erstmals seit der Waffenruhe vom November wieder einen Angriff auf den Gazastreifen geflogen.“

Beim weiteren Lesen kommt die Versuchung, bis drei zu zählen. Spiegel: „Flugzeuge hätten ein Gebiet im Norden des Küstenstreifens bombardiert“ und wenige Sätze weiter: „Nach Angaben der Palästinenser trafen die drei Raketen unbewohntes Gebiet.“ Welche „drei Raketen“? Welt: „bombardierten mehrere Ziele“, dann kommen „drei Angriffe“.

Verwirrung auch beim Hamas Raketenangriff. Angeblich ist „laut der israelischen Polizei eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete im Süden Israels nahe Aschkelon eingeschlagen“, aber Salafisten bestätigten afp, zwei Raketen abgeschossen zu haben. Befindet sich die zweite Rakete etwa noch in der Luft? Obgleich drei Quellen die afp Meldung verwendeten, hat Siegel die Salafisten wegzensiert. Etwa weil die in Deutschland Koran-Exemplare verteilen, um die Religion des Friedens vorzustellen?

Spiegel: „Militante Palästinenser hatten das Abkommen bereits im Februar gebrochen und aus dem Gaza-Streifen eine Rakete auf Israel gefeuert.“ Spiegel erwähnt nicht, ob die erwähnten Militanten linksliberal oder rechtsextremistisch sind, wie bei der Nennung israelischer Politiker. Seit November wurde also nur im Februar „eine Rakete“ abgefeuert. In dem vom Spiegel mitgelieferten Link steht jedoch gemäß übereinstimmenden Agenturberichten: „…hatten Palästinenser bereits in der Nacht zum Sonntag drei Flugkörper abgefeuert, die aber israelisches Gebiet nicht erreicht hatten.“ Nach Adam Riese wurden also vier Raketen abgefeuert, obgleich nur eine getroffen hat.

Die Agenturen verwalten bekanntlich die Wahrheit in der Welt, selbst wenn sie „übereinstimmend“ Falsches melden und sich widersprechen.
Die „militanten Palästinenser“ halten sich anerkennenswert zurück, wenn sie seit und trotz Waffenstillstand nur im Februar „eine“ Rakete (und nicht vier) auf Israel abgefeuert haben. Doch Spiegel verlinkt den März: „Während Obama-Besuch: Raketen aus dem Gaza-Streifen treffen Israel“ Im Text heißt es: „Militante Palästinenser feuerten mindestens vier Raketen aus dem Gaza-Streifen in Richtung Südisrael.“ Das wären weitere vier (plus vier im Februar, macht schon acht) abgefeuerte Raketen. Zwei Raketen schlugen in Israel ein. „Die beiden anderen Raketen hätten das israelische Gebiet nicht erreicht und seien noch innerhalb des Gaza-Streifens niedergegangen.“ Woher die übereinstimmenden Agenturen wissen, dass zwei der Raketen im Gazastreifens niedergegangen seien, wird nicht erwähnt. Denn zufällig entdeckten die Israelis am Dienstag in einem Kindergarten in Sderot eine (dritte) explodierte Rakete. Die wurde erst jetzt bemerkt, weil der Kindergarten wegen Osterferien geschlossen war.
Es fragt sich also, wieso der Spiegel nicht einmal bis drei zählen kann und in seinem Bericht nur Februar erwähnt, aber den Raketenbeschuss im März während des Obama-Besuchs unterschlägt, trotz beigefügtem Link.

Alle Angaben stammen allein aus den deutschen Medienberichten und wurden nicht mit der Wirklichkeit in Nahost abgeglichen. Mörserbeschuss und andere Waffenstillstandsverletzungen wurden völlig unterschlagen.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/israel-gaza-angriffe-1.18057433

http://www.n-tv.de/politik/Nahost-Waffenruhe-gebrochen-article10401341.html

http://www.welt.de/politik/ausland/article114953572/Israelische-Luftwaffe-schlaegt-gegen-Gaza-zurueck.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/waffenruhe-gebrochen-israel-schiesst-nach-hamas-angriff-zurueck-a-892166.html

Obamas Besuch in Israel

Kommentar: von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 21. März 2013

Körpersprache ist auch ein  diplomatisches Mittel. US-Präsident Barack Obama machte davon in Israel geschickten Gebrauch. Während seiner ersten Kadenz hatte Obama zahllose taktische Fehler gemacht. Gegen Israels Premierminister hegte er eine offen ausgetragene tiefe Abneigung.
Schon bei der Ankunft am Flughafen und bis zum Abend bei der Pressekonferenz versuchte Obama seine alten Fehler zu korrigieren. Mit amerikanischer Zustimmung durfte das offizielle Kamerateam bei der Begrüßungszeremonie erstmals auch ein Mikrofon einsetzen. So wurden die „privaten“ Gespräche zwischen den Politikern und ihre „Witze“ live in alle Welt getragen. In Amerika machten Obamas Worte „Glücklicherweise bin ich jetzt dem Kongress entflohen“ große Schlagzeilen.

Den lockeren Umgang miteinander demonstrierte Obama während des kurzen Fußweges von einem Besuch bei dem von Amerika mitfinanzierten Raketen-Abwehrsystem „Eisenkappe“ zum Hubschrauber. Plötzlich zog Obama sein Jacket aus und lief im weißen Hemd mit blauem Schlipps weiter. Netanjahu zögerte kurz und machte es seinem Gast nach. Beide Politiker beim Spaziergang ohne formelles Jacket wurde zum „Bild des Tages“ und natürlich ein Anlass für zynischen Spott israelischer Fernsehmoderatoren, die in ähnlicher Aufmachung später die Nachrichten präsentierten.

Den Israelis fiel auf, dass Obama eine komplette Kehrtwende von seiner problematischen Rede in Kairo, 2009, gemacht hat, wo er die Errichtung Israels als Resultat des Holocaust dargestellt und die Siedlungen für illegal erklärt hatte. Jetzt hat er von den biblischen Wurzeln des jüdischen Volkes im Heiligen Land gesprochen, während die in Kairo hervorgehobenen Palästinenser mitsamt Rechten und Ansprüchen überhaupt nicht erwähnt wurden. Obamas Erklärung 2009, wonach die israelischen Siedlungen „illegal“ seien und nicht nur ein auszuhandelndes „Hindernis“ für Frieden, hatte nach palästinensischen Angaben vor vier Jahren zum Abbruch der Friedensverhandlungen geführt.

Obgleich in Europa die Siedlungen als das Grundübel für alle Konflikte in Nahost gesehen werden, hat Obama das Wort „Siedlungen“ auch bei der Pressekonferenz am Abend nicht ein einziges Mal in den Mund genommen. Sehr wohl wurde jedoch die Zwei-Staaten-Lösung thematisiert. Dazu hatte sich der israelische Premier erstmals seit den Wahlen erneut öffentlich bekannt hat. Obama wie auch seine israelischen Gesprächspartner, Peres und Netanjahu, betonten die Dringlichkeit, endlich eine Verhandlungslösung für dieses Problem zu finden. Aber aus den Worten Obamas war keine konkrete Vorstellung herauszuhören, wie das zustande kommen könnte.

„Barack“ und „Bibi“, wie sich die Politiker „liebevoll“ anreden, stimmten in der Einschätzung der Gefahr einer möglichen iranischen Atombombe voll überein. Aber Netanjahu scheiterte bei dem Versuch, aus Obama neben „wenig effektiven Sanktionen“ und Diplomatie auch noch eine handfeste militärische Drohung gegen Teheran zu locken. Deshalb betonte Netanjahu, dass Israel nicht einmal seinem besten und mächtigen Freund Amerika das Recht auf Selbstverteidigung überlassen werde. Dem stimmte Obama zwar zu, schränkte aber ein, dass auch Rücksichten auf Verbündete bedacht werden müssten. Immerhin hat Netanjahu dem amerikanischen Präsidenten öffentlich das Vertrauen ausgesprochen, es ernst zu meinen mit der Absicht, den Iran am Bau einer Atombombe zu verhindern. So wurde bei der Pressekonferenz eher in Andeutungen über einen möglichen militärischen Angriff auf Iran gesprochen.

Sehr wortreich hat Obama die Frage eines israelischen Journalisten zum Einsatz chemischer Waffen in Syrien beantwortet. Die Amerikaner hätten einen militärischen Einsatz angekündigt, falls Syrien da eine „rote Linie“ überschreite. Obama erklärte, dass noch unklar sei, ob und wer chemische Kampfstoffe in Aleppo auf die Zivilbevölkerung eingesetzt habe. Das werde mit Hilfe der Partner Amerikas noch geprüft. Obama hielt es für unwahrscheinlich, dass diese Kampfstoffe in die Hände der Opposition gefallen seien, wie von der syrischen Regierung behauptet.

Der zweite Tag des Obama-Besuchs, Donnerstag, dürfte für den Konflikt mit den Palästinensern von entscheidender Bedeutung sein. Obama will Präsident Mahmoud Abbas in Ramallah besuchen und könnte dort die ablehnende Haltung der Palästinenser zu spüren bekommen. Noch zählen die Amerikaner zu den wichtigsten Financiers der Palästinenser. Nach dem ersten Besuchstag in Israel sieht es nicht so aus, als ob Obama kritiklos die üblichen Klagen der Palästinenser über israelische Sanktionen und Unterdrückung hinnehmen werde. Sollte Obama tatsächlich den Friedensprozess vorantreiben wollen, dürfte er Abbas auch harte Fragen wegen der Verweigerung einer Erneuerung der Verhandlungen mit Israel stellen. Das palästinensische Gesuch an die UNO, sich als Staat anerkennen zu lassen, hatte scharfen amerikanischen Widerstand provoziert. So haben die USA ihre finanzielle Unterstützung für die UNESCO gesperrt. Es bleibt abzuwarten, ob Abbas seinen amerikanischen Gast zu einem grundsätzlichen Wandel seiner Politik überzeugen kann. Falls ihm das nicht gelingt, könnten die Palästinenser ihren wichtigsten Partner und den einzigen effektiven Vermittler mit Israel verlieren.

Stellungnahme des Gesundheitsministeriums zum Tod von Arafat Dscharadat

In einem israelischen Gefängnis ist am Samstag der palästinensische Häftling Arafat Dscharadat gestorben. Hierzu erklärt das Gesundheitsministerium in einer Stellungnahme:

„An diesem Nachmittag (Sonntag, 24. Februar 2013) wurde am Nationalen Zentrum für Forensische Medizin von Prof. Yehuda Hiss in Anwesenheit von Prof. Arnon Afek, dem Direktor der Gesundheitsverwaltung am Gesundheitsministerium, und des palästinensischen Pathologen Dr. Saber Aloul eine Autopsie am Leichnam Arafat Dscharadats vorgenommen.

Bei der Autopsie wurden keine Anzeichen externer Traumata gefunden, außer solchen, die von der Wiederbelebung [den Versuchen zur Wiederbelebung] herrührten und einer kleinen Schürfwunde an seiner rechten Brust. Die Autopsie ergab keinen Hinweis auf eine Krankheit. Zwei Blutergüsse wurden festgestellt, einer an der Schulter und ein weiterer an der rechten Seite der Brust. Zwei Rippen waren gebrochen, was auf Wiederbelebungsversuche hinweist. Die Ergebnisse weisen auf keine eindeutige Todesursache hin. Solange die Ergebnisse der mikroskopischen und toxikologischen Untersuchungen nicht vorliegen, kann die Todesursache nicht festgestellt werden.“